Januskopf in der Brust

In Koblenz wurden heute die Schlussvorträge der Verteidigung gehalten. Es begannen die Rechtsanwältin Jasmin Wanka und ihr Kollege Kai Brintzinger (beide Stuttgart) für den Angeklagten Ömer Ö. Nach der Mittagspause forderte die Verteidigung von Sermet I. Freispruch – worüber ich in einem gesonderten Beitrag berichten werde, zu dem ich jedoch vermutlich erst morgen kommen werde. Sodann hatten die Angeklagten das „Letzte Wort“, Urteilsverkündung wird am Montag, den 19. Juli sein.

Jasmin Wanka schilderte zunächst Lebenslauf und Werdegang von Ömer. Sie betonte, er sei durch sein kemalistisches Elternhaus und seinen sonstigen Lebenswandel zunächst „sehr westlich“ aufgewachsen, bis er sich einem sehr strengen Islam zuwandte. Im Jihad habe er sodann seine „bürgerliche Islamistenpflicht“ gesehen und habe es als Lebensziel angesehen, als Märtyrer die Höchste Stufe des Paradieses zu erreichen. Dabei sei es ihm „nie ums Töten, sondern immer um das Paradies“ gegangen. (das dürfte der einzige Satz ihres Plädoyers gewesen sein, den nicht auch sofort die Vertreter des Generalbundesanwalts unterschrieben hätten).

Denn das das Plädoyer von Jasmin Wanka und Kai Brintzinger auf „schuldig“ lauten würde, war schnell abzusehen: Rechtsanwältin Wanka schilderte als die „wichtigen Personen“ im Leben ihres Mandanten:

Muhamed Seyfudin Ciftci, Direktor der Islamschule in Braunschweig

Fritz Gelowicz von der Sauerlandgruppe „aus den Medien bekannt“

Bekkay Harrach, den er zu Al Qaida vermittelt habe

Abdulrahman Hussein, „Mitglied bei Al Qaida“

Aleem N., „in ihm fand Ömer einen Gleichgesinnten und natürlich ging es in ihren Gesprächen immer um das Thema Jihad“.

Wer einen solchen Bekanntenkreis hat, der muss ein Terrorist sein.

Staatsanwalt Bodo Vogler saß entspannt.

Schon nach 14 Minuten übernahm Wankas Kollege Kai Brintzinger das Plädoyer und reduzierte die Rolle seiner Kollegin auf die einer Statistin. Bezeichnend dafür war der folgende Dialog: „Wollen Sie denn keinen Antrag stellen?“, fragte die Vorsitzende. „Nein“, lächelte Frau Wanka. „Sie schließt sich nachher meinem Antrag an“, ergänzte Rechtsanwalt Brintzinger generös.

Dann begann er seine Ausführungen. Betonte, was sein Mandant in den vergangenen Jahren alles erlitten habe: Schreckliche Erlebnisse, den Abkehr vom Jihadismus, aber auch seine Malariaerkrankung „mit Schüttelfrost, Wechsel zwischen warm und kalt“. Sein Leben habe in dieser Zeit auf der Kippe gestanden, so Brintzinger. Aber er habe das Virus überstanden und als sein Anwalt frage er sich, ob „der Jihadismus ein Virus ist, den man das ganze Leben mit sich herum trägt oder ist er etwas, was man durch eigene Überzeugung wieder ablegen kann?“. Brintzinger liess es offen.

Sein Mandant Ömer erinnere ihn an einen Januskopf: Die Fratze des Terrors auf der einen, der ganz normale Bürger auf der …

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Themen: Koblenz , Islam , Stuttgart , AL Qaida , Jihad , Fritz Gelowicz , Aleem N. , 2. Koblenzer AL Qaida Verfahren , Sermet I , Ömer Ö , Blettner

Erschienen 6. Juli 2010 auf http://www.swr.de/blog/terrorismus.

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