Ja zu Studiengebühren!
am 30.10.2005 von http://www.juraaa.de
Bei der interessanten Diskussion über Studiengebühren bei der Jurastudentin habe ich gemerkt, dass ich mich hier noch gar nicht zu dem Thema geäußert habe. Dass ich grundsätzlich dafür bin, dürfte keine Überraschung sein. Für mich sprechen einfach praktische Argumente dafür. Der Bildungsmarkt braucht auch die Instrumente des Marktes, um funktionieren zu können. Mit steigenden Gebühren werden auch die Ansprüche der Studenten steigen, da sie dann “Kunden” ihrer Universität sind. Passt die Uni ihr Angebot nicht entsprechend an, d.h. wird sie nicht effizienter und effektiver, sinkt die Nachfrage. Langfristig werden die Universitäten also dazu gezwungen, die Qualität der Ausbildung zu verbessern. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Universitäten auch frei in der Gestaltung von Gebühren, ihrem Aufnahmeverfahren (Stichwort: Abschaffung der ZVS) und ihrem Angebot sind.
Auch das Totschlag-Argument, dass Studiengebühren sozial ungerecht seien, stimmt so nicht. Deutschland hat im internationalen Vergleich einen geringeren Anteil Studierender aus “sozial schwachen” Familien als die Länder, in denen Studiengebühren seit langem gezahlt werden müssen. Auch das Bundesverfassungsgericht befand in seinem Urteil vom 26. Januar 2005:
Zwar kann trotz alledem nicht ausgeschlossen werden, dass Einzelne durch Studiengebühren unausweichlich und in überdurchschnittlich hohem Maß belastet werden. Die nicht näher quantifizierte Möglichkeit derartiger Fälle rechtfertigt zumindest derzeit kein Eingreifen des Bundesgesetzgebers unter dem Aspekt der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse gemäß Art. 72 Abs. 2 GG.
Auch der Anteil der Studierenden am Gesamtjahrgang ist in Deutschland (30%) niedriger als bspw. in den USA (50%). Zum Studium gehört nämlich auch die Zulassung, also das Abitur. Und das machen immer weniger Kinder aus einkommensschwachen Familien. Die eigentliche soziale Selektion beginnt also viel früher. Ein Kindergartenplatz kostet meist über hundert Euro im Monat. Nachmittagsbetreuung gibt es vielerorts nicht oder nur gegen gute Bezahlung. Aber gerade in diesem Alter werden die Grundlagen für die Entwicklung der intellektuellen Fähigkeiten gelegt.
Wer ein abgeschlossenes Studium hat, verdient in den allermeisten Fällen deutlich mehr als jemand, der eine Lehre gemacht hat. Trotzdem finanzieren alle mit ihren Steuern die universitäre Ausbildung. Zwar zahlen Besserverdiener auch mehr Steuern, aber nicht in dem Maße, wie das Studium vorher höhere Kosten verursacht hat.
Sofern Studiengebühren der Hochschule, an der sie bezahlt werden, zu Gute kommen und dort nicht im Verwaltungsapperat oder in der Tilgung für Schulden aus der Vergangenheit verschwinden, sofern auch in Deutschland endlich ein gerechtes, nachgelagertes Stipendien- und Darlehenssystem aufgebaut wird, sofern die Universitäten mehr Freiheiten bekommen und diese zur Verbesserung der Lehre einsetzen, sind Studiengebühren absolut zu begrüßen. Auch wenn ich persönlich natürlich lieber mein Studium ohne Gebühren zu Ende bringen würde. Aber irgendwann muss der Anfang gemacht werden. Lasst uns lieber dafür kämpfen, dass es ein guter Anfang wird, statt wie die selbsternannten Studentenvertreter in den Studierendenausschüssen ideologische Grabenkämpfe zu führen und an der Realität vorbei zu demonstrieren, Vorlesungen zu boykottieren bzw. zu blockieren und so letztendlich allen Studenten zu schaden.
Wer sich so verhält, disqualifiziert sich als Teilnehmer am Diskussionsprozess, der hoffentlich dazu führt, dass es in einigen Jahren dem Angebot entsprechende Studiengebühren an selbstbestimmten Universitäten mit selbstbewussten Studenten gibt!
Weiterführende Links zum Thema:
Wikipedia.de: Studiengebühren
Ja-zu-Studiengebuehren.de
P.S.: Über konstruktiv-sachliche Diskussion zum Thema in den Kommentaren würde ich mich freuen, auch wenn ich befürchte, dass es eher persönliche Angriffe werden…
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