IStGH vermeidet peinliches Scheitern seines ersten Prozesses
Entgegen einer früheren Entscheidung wird der Prozess gegen den ersten Angeklagten des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) in
Den Haag nun doch nicht eingestellt. Der kongolesische Ex-Rebellenführer bleibt in Untersuchungshaft, der Prozess gegen ihn muss demnächst fortgesetzt werden.
Mit dieser Entscheidung revidierten Berufungsrichter des IStGH am 08.10.2010 den Beschluss der zuständigen Strafkammer vom Juli 2010,
Lubanga laufen zu lassen. Die Richter waren damals zu der Ansicht gelangt, sein Recht auf einen fairen Prozess sei möglicherweise
durch die Staatsanwaltschaft verletzt worden.
Richter haben Druckmittel gegen Staatsanwaltschaft nicht ausgeschöpft
Die Berufungskammer rügte nun zwar den (seit einiger Zeit wegen seiner Personalführung in die Kritik geratenen) Chefankläger Luis
Moreno-Ocampo wegen des Nichtbefolgens richterlicher Auflagen zur Identifizierung so genannter Zeugenvermittler. Jedoch hätten es die
Richter im Lubanga-Prozess unterlassen, ihnen zur Verfügung stehende Druckmittel gegen die Staatsanwaltschaft anzuwenden, um sie zur
Kooperation zu zwingen. Damit bleibt dem 2002 geschaffenen IStGH die Peinlichkeit des Scheiterns seines ersten
Kriegsverbrecher-Prozesses erspart.
Lubanga soll Kindersoldaten rekrutiert haben
Dem 49-jährigen Lubanga wird vorgeworfen, als Rebellenführer im Kinder als Soldaten zwangsrekrutiert zu haben. Laut Anklage hat er «durch die Rekrutierung, Ausbildung und
Verwendung Hunderter junger Kinder für Morde, Plünderungen und Vergewaltigungen» schwerste Kriegsverbrechen begangen. Lubanga sei
verantwortlich dafür, dass Kinder seines Hema-Volkes, die teils gerade erst zehn Jahre alt waren, unter der Androhung ihres Todes in
den Kampf gegen Angehörige des verfeindeten Lendu-Volkes getrieben wurden. Der Prozess war am 29.01.2009 unter großer Aufmerksamkeit
eröffnet worden. Der Angeklagte, der seit März 2006 in Untersuchungshaft sitzt, hatte alle Vorwürfe zurückgewiesen und erklärt, er
sei kein Rebellenführer gewesen, sondern Politiker.
Staatsanwalt wollte Informanten nicht nennen
Bei dem Streit zwischen Anklage und Verteidigung geht es darum, dass der Chefankläger sich weigerte, die Identität von Männern
preiszugeben, die der Anklage Zeugen im Kindesalter vermittelt hatten. Das Leben dieser Zeugenvermittler sei gefährdet, wenn sie im
Kongo als «Verräter» Lubangas entlarvt werden würden, machte dagwegen Moreno-Ocampo geltend. Sie müssten erst in zuverlässige
Schutzprogramme aufgenommen werden, ehe die Verteidigung sie öffentlich befragen könne.
Wahrheitsgehalt der Auss…
» Vollständiger Artikel