Ist das traditionelle Modell der Anwaltssozietät vom Aussterben bedroht?

Ja, sagen Clifford Winston und Robert Crandall. Die beiden Ökonomen und Co-Autoren des Buchs "First Thing We Do, Let's Deregulate All The Lawyers." haben im Wall Street Journal kürzlich einen Kommentar mit dem Titel "The Law Firm Business Model Is Dying" veröffentlicht.

Anlass zum Kommentar gab der Konkurs von Dewey & LeBoeuf LLP, mit früher über 1'000 Anwälten eine der ehemals grossen und wichtigen Player im internationalen Anwaltsmarkt.

Winston und Crandall zählen zwei Hauptgründe dafür auf, wieso das traditionelle partnerschaftliche Business Modell von Anwaltsfirmen nicht mehr so funktioniert wie früher:

Grosse Kunden verwenden vermehrt In-House Counsel und sparen so Kosten und Ausgaben für externe Anwälte. Private wählen angesichts des stark wachsenden Angebots an rechtlichen Dienstleistungen und Dokumenten im Internet vermehrt den "Do-It-Yourself" Ansatz.

Hierzu ist zu bemerken, dass das Angebot an rechtlichen Dienstleistungen und Dokumenten im Internet im englisch-sprachigen Raum wesentlich besser ausgebaut und auch interessanter ist als bei uns. Neben den diversen Anbietern von Document Assembly Plattformen (vgl. meinen früheren Post "Vertragsvorlagen: Trend zu Gratis") gibt es hier auch diverse nicht gewinnorientierte Initiativen und Organisationen, welche sich zum Ziel gesetzt haben den Zugang zur Justiz zu vereinfachen und gewisse Dienste, welche traditionell den Beizug eines Anwalts erforderten gratis anzubieten (vgl. z.B. Access to Justice oder LawHelp Interactive).

Die beiden Autoren sind der Ansicht, dass als rationale Antwort auf solch geänderte Rahmenbedingungen neue Low-Cost Anwaltsfirmen entstehen müssten, die ihre Kunden mit innovativen Dienstleistungen und Angeboten gewinnen. Dies geschehe angesichts der starken Regulierung des Rechtsmarkts allerdings nur zum Teil.

Speziell eingegangen wird auf folgende zwei Beschränkungen des Rechtsmarkts:

Unnötige Markt-Zutrittsbarrieren Nur Personen mit Jura-Abschluss und Anwaltsexamen dürfen rechtliche Dienstleistungen anbieten. Durch dieses System müssen zukünftige Anwälte gerade in den USA viel Geld und Zeit in ihre Ausbildung investieren. Die späteren hohen Löhne sind bis zu einem gewissen Grad notwendig, damit diese Kosten zurückbezahlt werde können und es sich überhaupt lohnt die Ausbildung zu machen. Würde der Markt hier dereguliert könnten neue Firmen entstehen. Diese Firmen könnten eine breite Palette an Angestellten haben (Anwälte, Juristen ohne Anwaltspatent, Paralegals, Sachbearbeiter, etc.) und wären so in der Lage rechtliche Dienstleistungen zu massiv reduzierten Kosten anzubieten. Verbot externer Beteiligungen Ausser im seit… » Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Wall Street Journal , Wall Street

Erschienen 29. Mai 2012 auf http://blog.gian-reto.com.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Machtverschiebung zu General Counsels?

The Business of Law | 15. September 2011 — Mari Sako, Professorin an der Said Business School / Oxford University, hat unter dem Titel "General Counsel with Power?" die Erg…

Legalzoom Ante Portas

The Business of Law | 29. Oktober 2011 — An der Legal Futures Conference (vgl. diesen Post) hatte ich die Möglichkeit mit zwei innovativen Anbietern von Online Plattforme…

Willkommen zurück

The Business of Law | 17. Januar 2012 — Liebe Leser meines Blogs Ich hoffe Sie hatten eine geruh- und erholsame Weihnachtszeit und sind gut und mit nur den besten Vo…

Ersetzt "LawBrand.com" die traditionelle Anwaltskanzlei?

The Business of Law | 23. Oktober 2011 — Der Titel bezieht sich auf ein Zitat aus einem Artikel (Change and challenges for the legal services market) von Prof. Step…

UK Rechtsmarkt: Brave New Worlds

The Business of Law | 27. Januar 2012 — In Ich stelle heute zwei aktuelle Publikationen vor, welche sich mit den fundamentalen Änderungen im UK Rechtsmarkt beschäfti…

Unternehmen werden ihre Ausgaben für Anwälte um bis zu 50% kürzen!

The Business of Law | 7. Juni 2012 — Oder wie John Hyde kürzlich in der Law Society Gazette titelte: "Prepare for 50% fee cuts." Der Artikel bezieht sich auf ei…

Legal Futures Conference

The Business of Law | 26. Oktober 2011 — Am 17. Oktober 2011 fand in London die zweite Legal Futures Konferenz statt. Titel der Veranstaltung war "New ways to practise la…

Der Boom von Alternative Law Firms: Sieht so die Anwaltsfirma der Zukunft aus?

The Business of Law | 7. August 2012 — "Traditionelle Anwaltsfirmen verrechnen überrissene Stundensätze für Arbeit, die von angestellten und hierarchisch bedeutungs…

Verschwinden Einzel- und kleine Kanzleien schon bald ganz vom Markt?

The Business of Law | 4. Juni 2012 — Prognosen für den liberalisierten UK-Rechtsmarkt sagen voraus, dass es dort in ein paar Jahren keine selbständigen Einzelanwä…

Die Anwalts-Flatrate: Unlimitierte Beratung zum Fixpreis!

The Business of Law | 23. Juli 2012 — Das Thema Anwalts-Flatrate wurde in Blogs und den entsprechenden Kommentaren meines Wissens bisher meistens sehr kritisch beleu…

Robert W. Crandall | Brookings Institution
First Thing We Do, Let's Deregulate All the Lawyers: Clifford Winston, Robert W. Crandall, Vikram Maheshri: Amazon.com: Kindle Store

First Thing We Do, Let's Deregulate All the Lawyers: Clifford Winston, Robert W. Crandall, Vikram Maheshri: Amazon.com: Kindle Store


Winston and Crandall: The Law Firm Business Model Is Dying - WSJ.com

In The Wall Street Journal, the Brookings Institution's Clifford Winston and Robert W. Crandall write that rules adopted to protect the legal profession from outside competition are actually stifling it.


Dewey & LeBoeuf - Wikipedia, the free encyclopedia