Ist eine Telefonwerbung nach einem Unternehmenswechsel zulässig

In § 7 UWG wird die sogenannte unzumutbare Belästigung geregelt, die bei Verwirklichung von bestimmten Verhaltensweisen vorliegt. Beispielhaft sei hier der Telefonanruf genannt. Während es vor Änderung des UWG’s im Jahre 2008 für Telefonanrufe an einen Gewerbetreibenden ausreichte, dass eine mutmaßliche Einwilligung vorlag, die zudem konkludent erklärt werden konnte, wurden die Voraussetzungen mit dem UWG 2008 bei Geschäftskunden verschärft und den Anforderungen an Telefonwerbung gegenüber Verbrauchern angeglichen. Das bedeutet, dass für einen rechtmäßigen Telefonanruf gegenüber Geschäftskunden ebenfalls eine ausdrückliche vorherige Einwilligung gegeben sein muss. Fraglich ist allerdings, wie es ist, wenn ehemalige Mitarbeiter zu einem anderen Unternehmen wechseln. Dies soll mit nachfolgendem Fall näher erläutert werden.

1. Der Bundesgerichtshof hatte jetzt einen Fall zu entscheiden, bei dem die späteren Klageparteien in einem Wettbewerbsverhältnis standen. Bis zu seiner Kündigung im Januar 2006 war einer der Beklagten bei der Klägerin als Betriebsleiter beschäftigt. Weitere Mitarbeiter der Klägerin schieden ebenfalls zu diesem Zeitpunkt aus und arbeiten fortan bei dem durch den ehemaligen Betriebsleiter der Klägerin neu gegründeten Unternehmen. Um sich am Markt vorzustellen, hat die spätere Beklagte durch Anrufe und E-Mails Kontakt zu Kunden der Klägerin aufgenommen, die noch aus der früheren Tätigkeit bekannt waren. Eine ausdrückliche Einwilligung zur Kontaktaufnahme mittels Anrufe und E-Mails lag dabei nicht vor. Die Klägerin, der dieser Sachverhalt zur Kenntnis kam, machte darauf hin gegenüber den Beklagten einen Anspruch auf Unterlassung, Auskunftserteilung und Erstattung von Abmahnkosten sowie einen Schadensersatzanspruch geltend. Als eine entsprechende Erklärung nicht abgegeben wurde, sind die Ansprüche gerichtlich geltend gemacht worden. Im Rahmen der gerichtlichen Auseinandersetzung machten die Beklagten geltend, dass den angerufenen Unternehmen der Wechsel der ehemaligen Mitarbeiter der Klägerin nicht bekannt gewesen sei. Der Hauptzweck der beanstandeten Anrufe habe darin bestanden, die angerufenen Unternehmen hierüber zu informieren. Das Landgericht hat der Klage mit den in erster Instanz gestellten Anträgen im Wesentlichen stattgegeben. Auch das Berufungsgericht hatte die Beklagten im Wesentlichen wie beantragt verurteilt. Mit der Revision zum Bundesgerichtshof verfolgten die Beklagten die Klageabweisungsanträge weiter.

2. Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 11.03.2010 unter dem Aktenzeichen I ZR 27/08 der zulässig eingelegten Revision teilweise stattgegeben und die Urteile hinsichtlich der Unterlassung und Auskunftserteilung in Bezug auf die Telefonanrufe aufgehoben und zurückgewiesen. Begründet wurde die Entscheidung des Gerichts damit, dass es für das Vorliegen einer unzumutbaren Belästig…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Telefonwerbung , Uwg , Marketing , Mitbewerber , Übernahme , Dienstleistungen , Kundendaten , Unlauterkeit , Unverlangter Anruf

Erschienen 14. Februar 2011 auf http://www.blog-fuer-gewerblichen-rechtsschutz.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

BGH: Telefonwerbung nach Unternehmenswechsel - Wer nach einem Unternehmenswechsel die ihm aus seiner früheren Tätigkeit bekannten …

MEDIEN INTERNET und RECHT | 27. August 2010 — 1. Telefonanrufe gegenüber Unternehmen bzw. Gewerbetreibenden können grundsätzlich wettbewerbswidrig sein, weil sie zu belästigend…

Anrufe bei Unternehmenskunden nach Arbeitgeberwechsel nicht per se unzumutbare Belästigung

Die Werbeansprache | 27. Juni 2011 — Der Bundesgerichtshof hat sich in seiner Entscheidung vom 11.03.2010 (Az. I ZR 27/08) mit der Frage beschäftigt, wann eine unzu…

BGH : Kunden dürfen nach Ausscheiden abgeworben werden

Handelsvertreter Blog | 20. September 2010 — Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 11.3.2010 spricht nichts dagegen, wenn ausgeschiedene Mitarbeiter eines Unternehme…

BGH: Keine unerlaubte Telefonwerbung bei Arbeitsplatzwechsel?

Kurz Pfitzer Wolf | 31. August 2010 — Was war passiert? Ein Mitarbeiter einer Firma für Oberflächenbearbeitung von Metallen und der Reparatur von Werkzeugen wechse…

Bundesgerichtshof : Telefonwerbung gegenüber Gewerbetreibenden - Auch die unaufgeforderten Telefonanrufe zu Werbezwecken (hier: fü…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 20. September 2007 — BGH, Urteil vom 20.09.2007 – Az. I ZR 88/05 - Suchmaschineneintrag; Vorinstanzen: LG Essen, Urteil vom 24.11.2004 - Az. 44 O 32/04…

OLG Hamm: Cold Calling auch bei ehemaligen Kunden verboten

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 27. August 2009 — OLG Hamm, Urteil vom 30.06.2009, Az. 4 U 54/09 §§ 8 Abs. 3 Nr. 1, 3 und 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG Das OLG Hamm hat zur wettbewerbs…

Werbeanrufe bei Gewerbetreibenden

Blickpunkt Recht & Steuern | 25. September 2007 — Der Bundesgerichtshofs hat den Schutz von Gewerbetreibenden und Selbständigen vor unerwünschten Werbeanrufen gestärkt und geurt…

Wettbewerbs- und Vergaberecht: Wettbewerbswidrige Telefonwerbung gegenüber Gewerbetreibenden

Meyer-Köring v.Danwitz | 23. Mai 2007 — Der Bundesgerichtshof hat in einem bereits am 16. November 2006 verkündeten Urteil - I ZR 191/03 -, dessen Urteilsbegründung er…

LG Coburg: Und immer wieder klingelt es... das Telefon! - Werbeanrufe gegenüber Verbrauchern ohne deren Einwilligung sind auch dan…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 12. November 2008 — 1. Werbeanrufe gegenüber Verbrauchern ohne deren (ausdrückliche) Einwilligung stellen eine unzumutbare Belästigung im Sinne von § …

Werbung per Telefonanruf

SCHINDLER BOLTZE Rechtsanwälte | 27. September 2006 — Werbung per Telefon ist ein sehr kostengünstiges und effektives Mittel des Direktmarketings. Allerdings sind nicht jede Werbe…