„Du schaffst das!!!“
minirep - Jura verstehen lernen | 8. Februar 2012 — Diesen Satz habe ich während meines gesamten Studiums von keinem Professor und auch von keiner Professorin gehört. Nun kann m…
Diese Frage lässt sich nicht einfach so pauschal beantworten, das ist klar. Natürlich muss das jeder für sich selbst entscheiden. Die einen kriegen die Antwort praktisch in die Wiege gelegt, weil sie aus einer Ahnenreihe von Juristen kommen. Dazu zähle ich nicht. Meine Eltern sind nüchterne Naturwissenschaftler, die sich stirnrunzelnd an den Kopf gefasst haben, als ich ihnen mitteilte, ich würde gerne Jura studieren. So richtig konnten sie damit nichts anfangen; wahrscheinlich haben sie sich gefragt, was sie in ihrer Erziehung falsch gemacht haben. Aber um ehrlich zu sein, hatte auch ich ein ganz anderes Bild von diesem, unserem, Studiengang. Wie so viele, habe ich damit gerechnet, dass es trocken und zeitweise auch langweilig werden würde und ich unzählige Gesetzestexte auswendig lernen müsste.
Allerdings war dies mitnichten der Fall. Es machte mir von der ersten Vorlesung an Spaß, ich erbrachte gute Leistungen in den Prüfungen und versäumte keine Vorlesung. Ich zog das Grundstudium in zwei Semestern durch und bin nie durch eine Klausur gefallen. Klingt nach einer Musterstudentin, oder? Nun, das war ich aber nicht. Denn nach dem zweiten Semester beschloss ich alles hinzuschmeißen und ließ mich kurzerhand exmatrikulieren. Die Gründe hierfür sind im Nachhinein schwer in Worte zu fassen. Um es auf den Punkt zu bringen: Jura kam mir mit einem Mal sehr sinnlos vor. Es war allerdings nicht das Studium, sondern vielmehr die Aussicht auf die spätere Berufspraxis. Alles in mir sträubte sich dagegen, täglich kleine Nachbarschafts- oder Mietstreitigkeiten bearbeiten zu müssen, ohne auch nur einen Funken Interesse an den Menschen dahinter zu haben, weil mir deren Klagen vollkommen unnütz vorkämen. Ich müsste Mandanten die Lügen praktisch in den Mund legen in meiner juristischen „Beratung“ und würde in Schriftsätzen laut über die Gegenseite schimpfen, nur um meiner Seite zu zeigen, was für eine gute Anwältin ich doch bin. Letztlich würde ich einen noch größeren Keil zwischen ohnehin schon zerstrittenen Menschen treiben, anstatt diese wieder zusammenzuführen. Ich würde jeden Fehler der Gegenseite lang und breit darlegen und mit dem Finger darauf zeigen und die eigenen Missgeschicke gekonnt vertuschen bzw. schönreden. Und damit würde ich mein tägliches Brot verdienen. Diese Perspektive – so wie sie sich mir auch zum Teil in meinem ersten zweimonatigen Praktikum, welches ich direkt nach dem ersten Semester absolviert habe – störte mich.
Nach meiner Exmatrikulation schmiedete ich zwar gleich neue Pläne, aber so richtig zufrieden war ich damit am Ende auch nicht. Mir fehlte das juristische Studium, die Denk- und Herangehensweise. Nach wochenlangem Ringen erkundigte ich mich und erfuhr, dass ich meine Exmatrikulation wieder rückgängig machen und sogar meine alte Matrikelnummer behalten könnte. So war es dann auch.
Ich kehrte zurück zu Jura und war mit mir selbst ein wenig mehr im Reinen…
» Vollständiger ArtikelErschienen 7. Mai 2011 auf http://www.minirep.de.
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