Institut: Deutsche überschätzen Krisen-Folgen für ihre Rente

Berlin (Reuters) - Die Deutschen überschätzen nach Experten-Einschätzung die Folgen der Finanzkrise für ihre Altersversorgung.

Im Schnitt rechneten sie im Zuge der Krise mit dem Verlust von einem Fünftel ihrer Altersvorsorge, ergab eine Umfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA), die am Dienstag veröffentlicht wurde. Tatsächlich habe die überwiegende Mehrheit der Haushalte aber bisher weniger als drei Prozent verloren, sagte der Rentenexperte Bernd Raffelhüschen. Vor allem die Gesetzliche Rentenversicherung (GRV) bleibe seit Krisen-Ausbruch 2007 stabil. Entsprechend ist das Vertrauen in Aktienfonds gesunken: Nach einer Umfrage der Versicherungsgruppe AXA halten weniger als die Hälfte der Deutschen diese für geeignet.

Das DIA erklärte, größere Verluste müssten nur Menschen in der Krise hinnehmen, die stark auf Aktien gesetzt hätten. "Sie sind jedoch entweder sehr jung, sehr reich oder beides", sagte Raffelhüschen. Als Extrembeispiel nannte er den Fall eines gut verdienenden Alleinstehenden der bei einer lang andauernden, schweren Krise einen Verlust von 16 Prozent hinnehmen müsse. Selbst in diesem Szenario könne jedoch eine Witwe im Rentenalter, die ausschließlich auf die gesetzliche Versicherung setze, ein Plus verzeichnen. Dagegen glaubte insgesamt jeder Fünfte der Befragten, er habe sogar die Hälfte seiner Rentenansprüche verloren.

Tatsächlich seien Verluste von mehr als zehn Prozent nur für maximal ein Zehntel der Haushalte realistisch. "Die gefühlten Verluste liegen damit im Mittel etwa vier mal so hoch wie die tatsächlichen", sagte Raffelhüschen.

Die Berechnungen des DIA gehen weitgehend vom Status Quo aus: Mögliche Einschnitte bei Rentenversicherung oder Steuern etwa nach der Bundestagswahl als Folge der Krise mit Auswirkungen auf die Altersvorsorge wurden nicht unterstellt. Zur Altersvorsorge wurden Geldvermögen inklusive Riester- oder Rürup-Renten, Immobilien sowie Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung gezählt. Das DIA wird von der Deutschen Bank, deren Investmentfondstochter DWS sowie der Zurich-Versicherungsgruppe getragen, die Vorsorge-Produkte anbieten.

Nach einer Umfrage der Versicherungsgruppe AXA und deren Vermögensverwaltung ist das Vertrauen in Fonds zur Altersvorsorge stark gesunken. Hatten 2008 noch mehr als zwei Drittel Fonds für geeignet gehalten, seien dies nun nur noch 42 Prozent. Bei Ostdeutschen sank die Zustimmung sogar von 80 Prozent auf 39 Prozent.



Quelle: Reuters (28. Juli 2009)

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Themen: Germany , Rentenversicherung , Western Europe , Europe , German General News , Switzerland , Financials , Banks , Banks (industry Group) , Australia , Asia , Schnitt , Axa , Insurance (industry Group) , Insurance - Life And Health , Insurance - Property And Casualty

Erschienen 28. Juli 2009 bei http://www.reuters.com.

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