Insolvenz – das Wort mit dem Negativ-Touch

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„Insolvenz“ das Unwort, das Wort, mit dem gerade Wahlkampf gemacht wird, das Wort, welches Ängste schürt.

Mir ist das Wort geläufig. In diesem Rechtsgebiet bin ich tätig.

Außerhalb eines Insolvenzverfahrens gibt es für Unternehmen Unterstützung, nicht für alle und nicht immer: Über den Deutschlandfonds kann Großunternehmen und dem Mittelstand geholfen werden. Die KfW-Bank macht zudem mobil. Nun werden Kreditgeschäfte, deren Kernaufgabe eigentlich bei den Banken und Sparkassen liegt, vor Ort beworben. Kleinunternehmer erfüllen regelmäßig nicht die Anspruchskriterien, fallen durchs Raster. Eine lasche Handhabung bei der Gewährung von finanziellen Hilfen aus öffentlichen Töpfen würde die Allgemeinheit belasten. Die Arcandor AG hatte die Kriterien nach den Medienberichten nicht erfüllt.

Der Insolvenzantrag der Arcandor AG am 09.06.2009 beim Amtsgericht Essen sorgte sodann für viel Aufmerksamheit in den Medien. Die Bildzeitung war schnell dabei und wusste, dass Herr Piepenburg Insolvenzverwalter werden soll. Das heute-journal war am 09.06.2009 auch nicht besser. Der mir durchaus bekannte Eingang des Amts- und Landgerichts Essen wurde gezeigt und die Nachrichtensprecherin verkündete, dass das Amtsgericht einen Generalbevollmächtigten bestellt habe. Erstaunlich, da wird monatelang von einer möglichen Insolvenz der Arcandor AG gesprochen, aber dem ZDF, einem öffentlich-rechtlichen Sender, ist es nicht möglich, grundlegende Fakten zum Insolvenzeröffnungsverfahren zu ermitteln. Herr Rechtsanwalt Görg wurde zum vorläufigen Verwalter bestellt. Die ganze Berichterstattung um Arcandor stieß mir überwiegend negativ auf.

Nein, nein, ich habe ein kleineres Büro in Dorsten und mir liegt es fern, mich bei der Bearbeitung von Großverfahren einmischen zu wollen. Aber es sei erlaubt, dass ich zu dem Umgang der Medien mit dem Thema Insolvenz etwas schreibe:

Wir befinden uns in einer Finanz- und Wirtschaftskrise. Das haben wir alle mitbekommen. Schwierige Zeiten sind angebrochen. Angst hemmt Kreativität und Optimismus. Wenn Angst noch durch eine unsachgemäße Berichterstattung geschürt wird, mögen die Medien mittelbar mit dazu beitragen, dass sich die Krise verstärkt.

Wir brauchen einerseits eine inhaltlich korrekte Darstellung über den Ablauf eines Insolvenz(plan)verfahrens und die damit verbundenen Sanierungs- und Entschuldungsmöglichkeiten, anderseits Positivmeldungen, die eine Vorbildfunktion haben, an denen man sich als Leser/Zuschauer orientieren kann. Positivbeispiele finden sich selten, z. B. hier unter wiwo.de: Bio-Limonade, Kloster Admont.

Wenn ich abends das Krisenbarometer im heute-journal sehe, welches überwiegend rot (= schlecht) abschließt, dann ärgert mich das. Es kann nicht sein, dass komplexe Wirtschaftsabläufe in einem Kreis mit roten und grünen Farben täglich zusammengefasst werden, zumal Zweifel…

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Themen: Medien , Opel , Kfw , Insolvenz , Negativ , Sanierung , Wahlkampf , Arcandor , Sanierung/insolvenz Allgemein , § 35 Inso , Arbeitsplätze , Krisenbarometer , Negativmeldungen

Erschienen 14. Juni 2009 auf http://www.gerigk.de.

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