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Inflationsrate verharrt im Juli auf 15-Jahres-Hoch

am 29.07.2008 von http://www.reuters.com

Berlin (Reuters) - Ein erneuter Preisschub bei Energie hat die Inflation im Juli auf dem höchsten Niveau seit fast 15 Jahren gehalten.

Die Verbraucherpreise stiegen wie schon im Juni um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag nach ersten Berechnungen mitteilte. Einen kräftigeren Anstieg hatte es zuletzt im Dezember 1993 mit 4,2 Prozent gegeben. Experten sehen den Höhepunkt der Teuerungswelle erst im August erreicht, wenn die angekündigten Strom- und Gaspreiserhöhungen in Kraft treten. Ungeachtet der steigenden Lebenshaltungskosten dürften die Tarifverdienste aber erstmals seit vier Jahren real steigen.

Größte Preistreiber waren erneut Heizöl, Benzin und Diesel. Ohne diese Bereiche hätte die Teuerungsrate nur 2,2 Prozent betragen. Vorausgegangen waren steigende Weltmarktpreise für Rohöl: Ein Fass leichtes US-Öl kostete am 11. Juli mit mehr als 147 Dollar so viel wie noch nie. In der zweiten Monatshälfte sank der Preis zwar spürbar und liegt derzeit um gut 20 Dollar unter seinem Rekordhoch. Der deutliche Rückgang macht sich in der Statistik aber noch nicht bemerkbar, weil das Bundesamt die Daten zur Monatsmitte erhebt. Sprit verteuerte sich etwa in Hessen um 14,9 Prozent im Vergleich zu Juli 2007, Heizöl um 56,5 Prozent, Strom um sechs Prozent und Gas um 5,8 Prozent. Auch Nahrungsmittel verteuerten sich mit acht Prozent spürbar.

GASPREISE DÜRFTEN IM AUGUST STEIGEN

Ihren Höhepunkt dürfte die Inflation nach Einschätzung von Experten im August erreichen. Dann könnte es eine Teuerungsrate von 3,4 oder 3,5 Prozent geben, sagte Commerzbank-Analyst Matthias Rubisch. Ein Grund dafür sei, dass viele Verbraucher für Gas und Fernwärme mehr bezahlen müssen. Nach Angaben des Verbraucherportals Verivox wollen mehr als 100 Gasversorger am 1. August ihre Preise anheben - um bis zu 29 Prozent.

Auch das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) erwartet erst gegen Jahresende wieder Inflationsraten von unter drei Prozent, die sich im Laufe des nächsten Jahres der Marke von zwei Prozent annähern sollten. Vorausgesetzt, der Ölpreis zieht nicht weiter kräftig an, sagte HWWI-Experte Jörg Hinze. Das Ölkartell Opec hält langfristig einen weiteren Rückgang der Ölpreise auf 80 Dollar je Fass für denkbar. Die heutigen Preise seien nicht normal, sagte Opec-Präsident Chakib Khelil.

Die starke Inflation lässt von den kräftigen Lohnerhöhungen real kaum etwas übrig. Im April stiegen die Tarifverdienste von Arbeitern und Angestellten mit 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat so stark wie seit 1996 nicht mehr, wie das Statistikamt mitteilte. Auch für das gesamte Jahr zeichnet sich dem Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böcker-Stiftung zufolge ein Zuwachs von mehr als drei Prozent ab. Das wäre das größte Plus seit Ende der 90er Jahre, sagte der Leiter des Tarifarchivs, Reinhard Bispinck, zu Reuters. Die höheren Tariflöhne werden aber größtenteils von der Inflation aufgefressen. Dadurch bleibe nur ein kleines reales Plus übrig. Es wäre dennoch der erste reale Einkommenszuwachs seit 2004.

Das reicht nach Einschätzung des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) nicht aus, um den privaten Konsum anzukurbeln. Die Kaufkraft werde zu sehr geschmälert, sagte BdB-Vorstand Manfred Weber. Der DGB forderte unterdessen, die Marktmacht der Agrar-, Strom-, Gas- und Mineralölkonzerne zu begrenzen, um dem Preisauftrieb in diesen Bereichen zu begrenzen. Da muss man politisch ansetzen und für mehr Wettbewerb sorgen, sagte DGB-Chefvolkswirt Dierk Hirschel zu Reuters.

Von Juni auf Juli zogen die Preise um 0,6 Prozent an. Mit Beginn der Ferienzeit verteuerten sich Pauschalreisen um 13,8 Prozent und Ferienwohnungen um 27,1 Prozent. Der für europäische Vergleichszwecke berechnete Harmonisierte Verbraucherpreisindex stieg um 0,6 Prozent zum Vormonat und um 3,4 Prozent zum Vorjahr. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht stabile Preise mittelfristig nur bei Raten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet. Details zur Preisentwicklung veröffentlicht das Statische Bundesamt am 14. August.

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