In jeder zweiten Familie arbeiten beide Eltern

Berlin (Reuters) - Trotz aller Fortschritte in der Familienpolitik überwiegt in Deutschland die klassische Rollenverteilung.

Zwar sind in jeder zweiten Familie beide Elternteile berufstätig, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Berlin mitteilte. Allerdings geht bei etwa drei Vierteln dieser Familien der Vater Vollzeit zur Arbeit und die Mutter Teilzeit. In gut jeder dritten Familie scheiden die Mütter ganz aus dem Beruf, während allein die Väter das Geld verdienen. Lediglich in fünf Prozent aller Familien gehen den Daten zufolge einzig die Frauen einer Arbeit nach.

Auch beim Elterngeld zeigt sich, dass die Frauen gleich nach der Geburt weiterhin überwiegend für Kinder und Haushalt und die Väter für das Geldverdienen zuständig sind: Zwar stieg der Anteil der Männer, die sich für ihren Nachwuchs freinehmen, im ersten Quartal auf 19 Prozent an. Die Mehrheit von ihnen beantragte die Förderung jedoch lediglich für zwei Monate, während sich die meisten Frauen ein Jahr lang um die Kleinen kümmern. Nur jeder zehnte Vater, der vor der Elternzeit berufstätig war, steigt für ein Jahr aus.

Die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen spiegeln sich auch im Elterngeld wider. "Die Mütter bekommen überwiegend den Mindestbetrag von 300 Euro, während die Väter entsprechend zum Teil die größte mögliche Summe bekommen", sagte Sascha Krieger, Referent in der Gruppe "Soziales" beim Statistikamt.

Allerdings blieben vor der Einführung des Elterngeldes Anfang 2007 nur dreieinhalb Prozent aller Väter zu Hause. Das Elterngeld ersetzt 67 Prozent des wegfallenden Nettoeinkommens, wenn die Arbeitszeit teilweise oder ganz reduziert wird. Es beträgt höchstens 1800 Euro im Monat und wird maximal für ein Jahr gezahlt. Wenn der Partner ebenfalls eine Auszeit nimmt, kann die Bezugsdauer um zwei Monate verlängert werden.

Die Ergebnisse zeigten, dass für die Mehrheit der Bevölkerung eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie von zentraler Bedeutung sei, erklärte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen. "Wenn über die Hälfte der Paare mit jüngstem Kind unter 15 Jahren erwerbstätig ist, stellt sich die Frage nach einer familienfreundlichen Arbeitswelt und ausreichender Zeit für die Familie mit besonderer Nachdrücklichkeit." Der Ausbau der Kinderbetreuungsangebote trage wesentlich dazu bei, dass auch in den westlichen Bundesländern die Eltern eine Wahlfreiheit erhielten, ob sie ihr Kind ganztags zu Hause betreuen oder in die Obhut einer Tagesmutter oder Kindertagesstätte geben möchten.

2007 wurden etwa 320.000 Kinder unter drei Jahren in Kindertageseinrichtungen betreut, das sind etwa 16 Prozent und damit etwas mehr als im Vorjahr. In Ostdeutschland gehen dabei viermal so viele Kinder in die Krippe wie im Westen, wo nur jedes zehnte Kind außer Haus betreut wird. Bei den Drei- bis Fünfjährigen nähern sich die Zahlen weitgehend an, hier besuchen deutschlandweit 89 Prozent aller Kinder eine Tagesbetreuung.

Die Zahl der Familien in Deutschland ist unterdessen rückläufig. Seit 1997 sank ihre Zahl um 857.000. Das entspricht einem Rückgang um neun Prozent. Derzeit leben 8,6 Millionen Familien in Deutschland. Dabei sind zudem immer weniger Elternpaare verheiratet; ihre Anteil liegt nun noch bei 74 Prozent.

Nach einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" spart der Staat derweil erheblich beim Kindergeld. Bereits im vergangenen Jahr sei es "erstmals zu einem erheblichen Rückgang der Kindergeldzahlungen um zwei Prozent" gekommen, zitierte das Blatt aus dem Monatsbericht des Finanzministeriums. Die Ausgaben seien auf 34,2 Milliarden Euro und damit unter das Niveau von 2002 gesunken.



Quelle: Reuters (22. Juli 2008)

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Themen: Berlin

Erschienen 22. Juli 2008 bei http://www.reuters.com.

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