»Imago, Actio, Justitia – Bilder, Körper und Handlungen des Rechts«
Recht anschaulich | 4. November 2011 — Unter diesem Titel soll am 3. und 4. Dezember im Institut für Kunst- und Bildgeschichte in Berlin eine internationale Tagung st…
Am 3. und 4. Dezember war ich also in Berlin zur Tagung und habe meinen Vortrag abgeliefert. Keinem ist aufgefallen, dass ich die Überschrift etwas verändert hatte.1 Aber warum sollte auch jemand darauf achten, sind doch Vortragstitel schon längst nicht mehr informativ. Das Programm der Tagung übte sich insoweit in der Kunst der Verrätselung. Wer hätte unter der Überschrift » Das Subjekt gründen. Zur normativen Funktion von Bildern« eine Interpretation von Kleists Novelle »Der Findling« erwartet oder unter der »Verleumdung des Apelles« eine Analyse von Dürers Bildern im Nürnberger Rathaussaal? Bredekamp und Haltern blieben fern. Aber die Tagung war interessant. Höhepunkt war der Nachmittag des 4. 12., wo der Journalist Roy Gutman und der Fotograf Andree Kaiser auftraten, um über die Wirkung ihres Berichts aus einem Konzentrationslager und über vergewaltigte Frauen in Bosnien 1993 zu reflektieren, und wo Rupert Neudeck erzählte, wie seinerzeit durch Fernsehsendungen mit Bildern aus dem südchinesischen Meer die Unterstützung des Publikums für das Projekt Cap Anamur gewonnen wurde. Die Entschlüsselung des bekannten Bildes aus dem Situation Room des Weißen Hauses vom 1. Mai 2011 als Tyrannenmord durch Carolin Behrmann war gewagt. Mitveranstalter Philipp Ruch dämpfte die Hoffnung auf die Wirkungsmacht von Schreckensbildern, indem er darlegte, dass die Alliierten schon 1944 über Bilder aus deutschen Konzentrationslagern verfügten, ohne dass diese viel Beachtung gefunden hätten. Für mich neu und besonders eindrucksvoll war eine Präsentation des chilenischen Künstlers Alfredo Jaar, der seine Installationen und ein Denkmal zum Völkermord in Ruanda vorstellte. Bei den übrigen Vorträgen habe ich durchgehend mit Interesse und teils mit Bewunderung zugehört. Meine Bewunderung galt vor allem der Fähigkeit, mit Hilfe eines eigenen Vokabulars alles mit allem in Verbindung zu bringen. Die Akribie, mit der die Kunsthistoriker ihren Themen nachgehen, hat für mich aber doch eher die Qualität eines Museumsbesuchs mit hochkarätiger Führung. Ich will daher nur noch den Vortrag von David Freedman erwähnen, weil er in zweierlei Hinsicht (für mich) bemerkenswert war. Erstens, weil er aufzeigte, d…
» Vollständiger ArtikelErschienen 13. Dezember 2011 auf http://recht-anschaulich.lookingintomedia.com.
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