Im Herbst weniger als 2,7 Millionen Arbeitslose möglich

Berlin (Reuters) - Deutschland steuert in diesem Jahr auf die niedrigste Arbeitslosigkeit seit 20 Jahren zu.

Die Forscher der Bundesagentur für Arbeit rechnen mit einem deutlichen Rückgang um 320.000 auf 2,93 Millionen Arbeitslose im Jahresdurchschnitt, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Dienstag in Nürnberg mitteilte. In einzelnen Monaten werde diese Zahl deutlich unterschritten. "Für den Herbst ist eine Arbeitslosenzahl unter 2,7 Millionen sehr wahrscheinlich", sagte IAB-Konjunkturexpertin Sabine Klinger der Nachrichtenagentur Reuters. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) erklärte: "Die Krise ist überwunden." Die SPD mahnte Konzepte gegen Dauerarbeitslosigkeit und Fachkräftemangel an.

ERWERBSTÄTIGENREKORD VON 40,84 MILLIONEN

Bei seiner Prognose für den Arbeitsmarkt legte das IAB ein Wirtschaftswachstum um drei Prozent zugrunde. Bei der Zahl der Erwerbstätigen rechnen die Forscher mit einem Anstieg auf 40,84 Millionen - der höchsten Zahl seit der Wiedervereinigung. Sie warnen auch, die Prognose sei angesichts der politischen Unruhen in Nordafrika und Nahost, der Natur- und Atomkatastrophe in Japan sowie der Euro-Schuldenkrise mit hohen Risiken behaftet.

"Derzeit gibt es keine Anzeichen für einen besorgniserregenden flächendeckenden Mangel an Fachkräften", schrieben die Forscher. Es bestehe "kein Anlass zur Beunruhigung, wohl aber zur Vorbereitung von Strategien, wie man dem mittelfristig deutlich sinkenden Arbeitsangebot begegnen will". Allein in diesem Jahr gingen 200.000 mehr Menschen in Ruhestand, als neu in den Beruf starteten. Zu zwei Dritteln könne dieser demografische Rückgang ausgeglichen werden, etwa durch eine stärkere Erwerbsbeteiligung von Frauen und älteren Menschen sowie durch Zuwanderung aus Osteuropa.

Insgesamt sinkt demnach das Arbeitskräfteangebot um 70.000 auf 44,76 Millionen. In dieser Zahl schlägt sich auch nieder, dass das IAB rückwirkend durch eine neue Berechnungsmethode das Arbeitskräfteangebot um rund 700.000 höher veranschlagt.

Ministerin von der Leyen erklärte, Deutschland starte "stark durch". Die Herausforderung liege immer stärker darin, "die stetig wachsende Zahl offener Stellen passgenau zu besetzen". SPD-Vizefraktionschef Hubertus Heil sagte, Aufgabe müsse es jetzt sein, verfestigte Langzeitarbeitslosigkeit abzubauen. Dazu passe es nicht, dass die Regierung weniger Geld für Arbeitsmarktprogramme zur Verfügung stelle.

- von Holger Hansen -



Quelle: Reuters (22. März 2011)

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Erschienen 22. März 2011 bei http://www.reuters.com.

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