Hunderte Verletzte bei schweren Mai-Krawallen in Berlin
Berlin (Reuters) - Nach mehreren Jahren rückläufiger Randale war Berlin in diesem Jahr wieder Schauplatz schwerer Mai-Krawalle.
Bis Samstag früh lieferten sich Demonstranten und Polizei immer wieder Straßenschlachten in Kreuzberg. Dabei wurden nach Angaben der Polizei 273 Beamte verletzt - mehr als in den vier vorangegangenen Jahren zusammen. Nach Angaben der Organisation "18 Uhr Bündnis" wurden mindestens 136 Demonstranten verletzt. Über 50 von ihnen hätten wegen zum Teil schwerer Kopfverletzungen in Krankenhäusern behandelt werden müssen. 289 Randalierer wurden festgenommen, gegen mehr als 40 erwirkte die Staatsanwaltschaft bis Sonntag Haftbefehle. "In dem Bemühen, einen friedlichen 1. Mai zu bekommen, haben wir gestern einen Rückschlag erlitten", bilanzierte Innensenator Ehrhart Körting.
Gegen vier Demonstranten leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen versuchten Mordes ein. In einem Fall hatten zwei Männer mit einen Brandsatz geworfen, eine Passantin trug Verbrennungen davon. Im zweiten Fall warfen zwei andere Demonstranten einen Brandsatz, ohne dass jemand verletzt wurde. Insgesamt seien 44 Haftbefehle ausgestellt worden, sagte Staatsanwalt Michael Grunwald. In knapp 300 Fällen werde wegen Landfriedensbruchs und Körperverletzung ermittelt.
Zu den schwersten Auseinandersetzungen kam es am Freitag am Kottbusser Tor nahe einem Straßenfest mit Tausenden Besuchern. Nach Darstellung der Polizei griffen etwa 700 Demonstranten immer wieder die Polizei an. Die Beamten wurden mit Steinen, Flaschen und Böllern beworfen. Vor der ausrückenden Polizei seien die Gewalttäter wiederholt in das das Straßenfest geflüchtet, um sich dort neu zu formieren. Die Polizei setzte Schlagstöcke, Tränengas und Pfefferspray gegen die Randalierer ein.
Die Festgenommenen müssen sich wegen meist wegen des Vorwurfs des Landfriedensbruchs, Körperverletzung und Widerstand gegen die Staatsgewalt verantworten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden bis Samstagmorgen elf Haftbefehle ausgestellt.
Einige der Randalierer brachen nach Polizeiangaben Gehwegplatten aus dem Bürgersteig, zertrümmerten sie und nutzten die Brocken als Wurfgeschosse. Müllcontainer wurden angezündet, Ampeln demoliert. Polizeipräsident Dieter Glietsch schilderte einen Fall, in dem drei Beamte mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und angesteckt wurden. Auch dank des schnellen Eingreifens von Kollegen seien sie unverletzt geblieben. In einen anderen Fall hätten die Randalierer ein Fahrzeug mit zwei Beamten angegriffen. Die blieben zwar unverletzt, aber einer habe mit einem Schock ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen.
Die hohe Zahl an Verletzten unter den 5800 eingesetzten Polizeibeamten erklärte Polizeipräsident Glietsch mit der gestiegenen Zahl an Festnahmen. Bei den Zugriffen wurde teils heftig gerungen, viele Polizisten trugen Prellungen davon. Vor einem Jahr waren nach Angaben Glietschs 139 Randalierer festgenommen worden, 112 Polizisten wurden verletzt.
KÖRTING: KEINE SOZIALEN UNRUHEN
"Das Klima ist rauer geworden", sagte Körting. Von sozialen Unruhen könne aber nicht gesprochen werden. Der Großteil der Täter sei unpolitisch. "Die Randale stand eindeutig im Vordergrund." Vor allem Gewerkschaften hatten angesichts der Wirtschaftskrise vor sozialen Unruhen gewarnt.
Auch in Hamburg kam es zu Krawallen, wenn auch im viel geringeren Ausmaß. Die Polizei wurde am Freitagabend im Schanzenviertel aus einem Spontanaufzug von rund 100 Personen heraus mit Flaschen und Steinen beworfen. Sechs Polizisten seien leicht verletzt und vier Fahrzeuge beschädigt worden, sagte eine Polizeisprecherin. Bei den Zusammenstößen, die bis gegen 03.00 Uhr andauerten, seien 24 Personen Gewahrsam und 23 festgenommen worden. 2008 hatte Hamburg am 1. Mai die schwersten Krawalle seit Jahren erlebt, als sich Rechtsextreme und Autonome stundenlang Straßenschlachten lieferten.
Quelle: Reuters (3. Mai 2009)
Themen: Germany , Beamte , Legislation , Western Europe , Europe , German General News , Crime; Law Enforcement , Domestic Politics , Wiederholt , Tor , "riots, Demonstrations And Internal Disturbances" , Michael Grunwald Berlin
Erschienen 3. Mai 2009 bei http://www.reuters.com.
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