Hohe Strafen für Mord an Rollstuhlfahrer
am 27.06.2006 von strafblog
faz.net berichtet ausführlich über das Verfahren gegen 2 Erwachsene und 2 Jugendliche, die gestern vom Landgericht Oldenburg wegen Raubmordes an einem Rollstuhlfahrer zu hohen Strafen verurteilt wurden. Ein 24-jähriger Mann und eine 21-jährige Frau wurden mit lebenslanger Freiehitsstrafe belegt, ein 17-Jähriger bekam achteinhalb Jahre Jugendstrafe und eine 16-Jährige wegen Beihilfe sechs Jahre Jugendstrafe. Das Tatopfer, ein 54 Jahre alter, an multipler Sklerose leidender Mann, hatte die Täter in seine Wohnung eingeladen, wo Alkohol konsumiert wurde. Die Frauen sollen dann versucht haben, den Mann mit Sexspielen abzulenken, während die Männer nach Stehlenswertem suchten. Dann eskalierte die Situation laut faz.net, wie folgt: Die Täter besprühten den Behinderten mit Reizgas, schlugen ihm eine Flasche über den Kopf und versuchten, ihn mit Kissen zu ersticken. Weil der Mann mit den Beinen zappelte, schlug der 24jährige vor, ihn zu erstechen. Der 17jährige holte Messer aus der Küche und stach dreimal zu. Er hatte dies vor Gericht gestanden. Nach seiner Aussage hatte auch der 24jährige zugestochen. Dieser sagte jedoch vor Gericht, er könne sich nicht daran erinnern. Er wisse nur, daß er dem Opfer eine Flasche über den Kopf geschlagen und ihn mit einem Kissen zu ersticken versucht habe. Drei der Täter flüchteten mit ihrer Beute, darunter Handys und eine Geldbörse, über den Balkon und versteckten sich. Nachbarn hatten Hilferufe und Gepolter aus der Wohnung gehört und die Polizei alarmiert. Die 16jährige wurde im Schlafzimmer festgenommen; die anderen wurden etwas später gefaßt.
Die Angeklagten hatten die Diebstahlsabsicht vor Gericht zugegeben, die Mordabsicht aber bestritten. Das sah das Gericht anders. Die drei Mordmotive Heimtücke, Habgier und Ermöglichung einer Straftat sah es als erwiesen an. Die Angeklagten hätten geplant, dem Behinderten Wertgegenstände zu stehlen und ihn unter Umständen zu töten. Wahrscheinlich hätte keiner von ihnen die Tat alleine begangen. Diese sei aus der Gruppe heraus entstanden. Schuldmindernde Umstände, die bei den beiden erwachsenen Angeklagten ein Absehen von der gesetzlich vorgesehenen Höchststrafe ermöglicht hätten, sah das Gericht nicht.
Autor: RA Rainer Pohlen
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