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HIV-Prozess: Ein weiteres Opfer meldet sich

am 22.12.2006 von schreibmaschine

Im
Prozess gegen einen 38-jährigen Kenianer wegen versuchtem
Totschlag und gefährlicher Körperverletzung ist
möglicherweise ein weiteres Opfer des Angeklagten aufgetaucht:
„Er hatte früher auch mit meiner Freundin ungeschützten
Geschlechtsverkehr“, sagte ein Zeuge, der sich am zweiten
Verhandlungstag bei der Staatsanwaltschaft gemeldet hatte, vor dem
Würzburger Schwurgericht.

Der angeklagte HIV-positive Discjockey sitzt seit März in
Untersuchungshaft, weil er nach Auffassung der Staatsanwaltschaft
einen Rachefeldzug gegen deutsche Frauen geführt hat. Er soll
versucht haben, sieben deutsche Frauen absichtlich mit dem HI-Virus
zu infizieren, nachdem er sich bei seiner deutschen Ehefrau
angesteckt hat. Zwei seiner Ex-Freundinnen sind heute ebenfalls
HIV-positiv.

Nur
drei Wochen lang war eine heute 20-Jährige vor zwei Jahren mit
dem Angeklagten zusammen, trotzdem trägt sie den Aids-Erreger im
Blut. Sie hat zwar zu Empfängnisverhütung die Pille
genommen. Ein Kondom zu benutzen, kam ihr aber nicht in den Sinn:
„HIV war für mich damals kein Thema, auch in der Schule wurden
wir nicht darüber aufgeklärt."Alle
sieben Frauen haben gemeinsam, dass der Angeklagte ihnen vor der
ersten Liebesnacht verschwieg, dass er mit dem Aids-Erreger infiziert
war. Aber auch als sie davon wussten, hatten einige der Opfer
weiterhin ungeschützten Geschlechtsverkehr mit ihm: „Ich
war ja in ihn verliebt. Erst hinterher ist mir klar geworden, dass
ich mit meinem Leben gespielt habe“, sagte eine 20-Jährige aus
Mittelfranken. Sie hatte Glück und hat sich nicht angesteckt.


Jetzt
ist möglicherweise ein achtes Opfer hinzukommen: Im Jahr 2005
habe seine Freundin eine intime Beziehung mit dem Angeklagten gehabt,
sagte ein 35-jähriger Kraftfahrer, der sich am Donnerstag als
Zeuge meldete: „Als sie erfuhr, dass er HIV-positiv ist, hat sie
sich von ihm getrennt.“ Von dem Prozess habe er aus der Zeitung
erfahren.

In
seinen zahlreichen Beziehungen habe
der Angeklagte immer dasselbe Verhalten an den Tag gelegt, berichtete
die 42-jährige Kripo-Beamtin, die sämtliche Opfer vernommen
hat. Erst habe er den Frauen seine HIV-Infektion verschwiegen. Wenn
dann herauskam, dass er HIV-positiv ist, beruhigte er sie mit dem
Hinweis, er bekomme so gute Medikamente, dass keine Ansteckungsgefahr
bestehe. Der Prozess wird am 9. Januar fortgesetzt. Bis dahin soll
die Kripo auch das neu aufgetauchte Opfer vernehmen.Mehr zu dem Prozess unter anderem bei Spiegel online.

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Patrick Wötzel

Gerichtsberichterstatter, Lokaljournalist, Sportreporter - Revier: Würzburg

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