Herrscher im Bauamt
am 27.10.2006 von schreibmaschine
Im
Korruptionsprozess vor dem Würzburger Landgericht hat jetzt auch der engste
Mitarbeiter des ehemaligen Tiefbau-Leiters der Stadt Bad
Neustadt/Saale seinen Ex-Chef belastet. Nicht einmal die
Stadtbaumeisterin habe Einfluss auf den 51-Jährigen gehabt: Er
war der Herrscher im Bauamt.
Wie
mehrfach berichtet, legt die Staatsanwaltschaft dem ehemaligen
Sachgebietsleiter Tiefbau Bestechlichkeit, Vorteilsannahme und
Steuerhinterziehung zur Last. In den Jahren 2000 bis 2005 soll der
51-Jährige, der bislang lediglich wenige Fälle der
Vorteilsannahme eingeräumt hat, rund 1,2 Millionen Euro
Bestechungsgelder von Baufirmen und Architekten kassiert haben.Er
war sehr redegewandt und ließ nie Zweifel an seiner Person
aufkommen, erklärte der Untergebene des Tiefbau-Chefs am
Mittwoch im Zeugenstand. Seit dem Jahr 2000 war der 47-jährige
Maurermeister als technischer Angestellter im Neustädter
Tiefbauamt beschäftigt. Ab dem Jahr 2004 sei ihm dann
aufgefallen, dass sein Chef den Großteil der städtischen
Aufträge an die Firma des 40-jährigen Bauunternehmers, der
mit auf der Anklagebank sitzt, vergeben habe - und zwar jeweils
mündlich und ohne Bestätigung des Bauausschusses.
Allein
in den Jahren 2004 und 2005 soll die Neustädter Firma auf diese
Weise Straßenbaumaßnahmen in Höhe von rund 1,2
Millionen Euro ausgeführt haben. Sie haben zwar saubere
Arbeit abgeliefert, aber die Summe war auffällig. Man hätte
vielleicht eine Ausschreibung machen sollen, so der Zeuge. Deshalb
habe er bereits Ende 2004 ohne Wissen seines Chefs mit dem Neustädter
Stadtkämmerer Klaus Ullrich über die Vorgänge
gesprochen: Geschehen ist aber nichts, sagte der 47-Jährige.
Klaus Ullrich selbst hatte Anfang Oktober vor Gericht bereits
eingeräumt, dass er die Angelegenheit nicht weiter verfolgt hat.
Wenn es bei einzelnen Projekten Nachfragen gab, seien die immer zur
Zufriedenheit beantwortet worden.
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