Zahl der Erwerbstätigen steigt trotz Rezession auf Rekordstand
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Nürnberg (Reuters) - Der kräftige Aufschwung der deutschen Wirtschaft hat die Zahl der Arbeitslosen auch im November gedrückt.
Mit 2,931 Millionen wurde der niedrigste November-Wert seit 1991 erreicht, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag in Nürnberg mit. Das waren 14.000 weniger als im Vormonat und 284.000 weniger als ein Jahr zuvor. "Der Arbeitsmarkt profitiert von der guten Konjunktur", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. "Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und die Erwerbstätigkeit nehmen erneut deutlich zu und auch die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt." Im Oktober war die Erwerbslosenzahl zum ersten Mal seit rund zwei Jahren unter die Marke von drei Millionen gesunken.
Allerdings fiel der Rückgang nicht so stark aus wie erwartet: Von Reuters befragte Experten hatten mit nur noch 2,92 Millionen Erwerbslosen gerechnet. "Es könnte sein, dass der Rückgang der Arbeitslosigkeit dadurch gebremst wurde, dass die Firmen nicht das passende Personal finden", sagte Postbank-Experte Heinrich Bayer. Die um jahreszeitlich bedingte Schwankungen bereinigte Arbeitslosenzahl ging um 9000 zurück. Hier hatten Experten ein Minus von 20.000 erwartet. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 7,0 Prozent.
BESCHÄFTIGUNG AUF REKORDNIVEAU
Die Zahl der Beschäftigten erreichte sogar einen Rekordstand. Im Oktober wurden nach Berechnungen der Internationalen Arbeitsagentur rund 40,9 Millionen Erwerbstätige gezählt - 405.000 oder 1,0 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Das sei der höchste Stand seit der Wiedervereinigung, teilte das Statistische Bundesamt mit. "Grund für den Anstieg ist die Herbstbelebung", sagte ein Statistiker zu Reuters. Der alte Rekord im Oktober 2008 mit 40,77 Millionen Beschäftigten wurde damit gebrochen.
Der Aufwärtstrend wird sich Experten zufolge fortsetzen. "Der Arbeitsmarkt brummt", sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Marke von 41 Millionen übersprungen wird." Rund die Hälfte des Beschäftigungszuwachses komme derzeit noch von der Zeitarbeit. "In den kommenden Monaten werden aber zunehmend dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse folgen", sagte Rees.
NEUE JOBS IM GESUNDHEITS- UND SOZIALWESEN
Auch nach Einschätzung der Bundesagentur wird der Beschäftigungsaufbau immer stabiler und breiter. "Der Beschäftigungsaufbau erstreckt sich mittlerweile auf viele Branchen wie das Gesundheits- und Sozialwesen, die Zeitarbeit", sagte BA-Chef Weise. "Nur wenige Wirtschaftszweige wie der öffentliche Dienst und der Finanzsektor stagnieren."
Für eine Fortsetzung des positiven Trends spricht die kräftig wachsende Wirtschaft. Die EU-Kommission traut ihr 2011 ein Plus von 2,2 Prozent zu, nach geschätzten 3,7 Prozent in diesem Jahr. Mit dem Ifo-Geschäftsklimaindex hat das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer im November den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht. Für 2011 hält die Bundesagentur einen Rückgang der Arbeitslosigkeit auf bis zu 2,7 Millionen für möglich.
BIS ZU 100.000 ARBEITSLOSE MEHR IM DEZEMBER?
Im Winter droht aber zeitweise ein Anstieg über die Marke von drei Millionen. "Im Dezember ist eigentlich mit einem Aufbau von Arbeitslosigkeit zu rechnen", sagte Weise. "Das liegt im extrem günstigsten Fall bei 30.000, kann aber auch um die 100.000 sein." Im Januar und Februar seien 200.000 bis 300.000 zusätzliche Arbeitslose zu erwarten. "Wir müssen in den kommenden Monaten witterungsbedingt mit einem Anstieg rechnen, weil am Bau, in der Landwirtschaft oder in anderen saisonalen Betrieben im Winter weniger gearbeitet wird", erläuterte Commerzbank-Experte Eckart Tuchtfeld. "Unter konjunkturellen Gesichtspunkten ist das aber kein Rückschlag."
Erschienen 30. November 2010 bei http://www.reuters.com.
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