Hegemann und die Remix Culture
Die Feuilletons sind in Aufruhr: die gefeierte Jüngstautorin Helene Hegemann scheint in ihrem Buch Axolotl Roadkill ordentlich geklaut (ganz ohne rechtliche Wertung) zu haben. Die ausführliche Analyse kann im Blog Gefühlskonserve nachgelesen werden, wo das Thema aufgedeckt wurde und das im Fortgang des Geschehens gestern – wohl wegen des Andrangs – nicht mehr zu erreichen war. Nachdem Hegemann in den letzten Wochen shooting-star der Kritiker war, jetzt also der Kater nach der Party.
Was nun? Hegemann selbst sieht die Sache nicht so verbissen. Der Stern etwa zitiert die Autorin mit dem Statement:
“Das, was wir machen, ist eine Summierung aus den Dingen, die wir erleben, lesen, mitkriegen und träumen”, schrieb Hegemann. “Originalität gibt’s sowieso nicht, nur Echtheit.”
bzw. in der Welt
“Ich selbst empfinde es nicht als „geklaut“, weil ich ja das ganze Material in einen völlig anderen und eigenen Kontext eingebaut habe und von vornherein immer damit hausieren gegangen bin, dass eben überhaupt nichts von mir ist. Wenn da die komplette Zeit über reininterpretiert wird, dass das, was ich geschrieben habe, so ein Stellvertreterroman für die Nullerjahre ist, muss auch anerkannt werden, dass der Entstehungsprozess mit diesem Jahrzehnt und den Vorgehensweisen dieses Jahrzehnts zu tun hat, also mit der Ablösung von diesem ganzen Urheberrechtsexzess durch das Recht zum Kopieren und zur Transformation.”
Und darum geht es im Grunde in der hitzig geführten Debatte: haben wir es hier mit geistigem Diebstahl zu tun oder mit Remix-Culture? Kann man einen Roman über die 00er Jahre angemessen schreiben, ohne zu remixen?
Ein interessanter wake-up-call für die Vertreter der Hochkultur: während im Bereich der elektronischen Musik das Thema Remix schon bis zum Exzess diskutiert wurde, ist es im literarischen Bereich nie wirklich zur Sprache gekommen. Dass natürlich immer mal wieder auch abgeschrieben wurde, ist nicht im Verborgenen geblieben. Dass die 00er Jahre allerdings eine neue Sprache brauchen, um das Lebensgefühl dieser Zeit darzustellen, daran dürfte es wohl keinen Zweifel geben.
Was Remix-Kultur ist und wie sie sich literarisch darstellen lässt ist sicherlich eine spannende Frage: letztlich bleibt allerdings festzuhalten: auch die opinion leader einer solchen Remix-Kultur halten sich an gewisse Regeln (vom viel zitierten DJ Danger Mouse vielleicht abgesehen), die gelten sollten.
Zumindest die Namensnennung des eigentlichen Autors, daran gibt es keinen Weg vorbei. Das ist allerdings nicht passiert. Wenn die Autorin nun davon spricht, dass die Danksagungen irgendwie in der 1. Auflage unvollständig gewesen seien – wie kann das passieren? Der Verlag gibt an, er habe nach freizugebendem Material etc. gefragt. Da hatte Hegemann allerdings noch keine Angaben gemacht. Das hört sich eher nicht nach Remix-Cult…
» Vollständiger ArtikelThemen: Vertreter , Transformation , Open Culture , Hegemann Remix
Erschienen 9. Februar 2010 auf http://www.ip-notiz.de.
Remix
IP|Notiz | 3. Mai 2009 — Das Buch “Remix” von Larry Lessing ist mittlerweile zum freien Download verfügbar - natürlich unter einer CC-Lizenz. Der Erfolg…
Die Ablösung des Urheberrechtsexzesses durch das Recht zum Kopieren
Internet-Law | 10. Februar 2010 — Zu einem Thema wollte ich garantiert nichts schreiben, nämlich zu Helene Hegemann. Denn diese Sau wird gerade zu Genüge durch das …
Urheberrecht: Ist der Roman “Axolotl Roadkill” ein Teilplagiat? Die gefeierte 17jährige Autorin Helene Hegemann zwischen “Original…
Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 8. Februar 2010 — Gefeiert wurde sie, Helene Hegemann, 17 Jahre, als Autorin des Buches “Axolotl Roadkill”. Über das Werk schrieb z.B. die Südd…
Urheberrecht: Weitere Plagiatsvorwürfe gegen die gefeierte 17jährige Autorin Helene Hegemann
Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 11. Februar 2010 — Kaum ist der Plagiatsvorwurf gegen die Teenagerin zu Ihrem gefeierten Werk “Axolotl Roadkill” heraus (Link: Copykill), bahnt si…
Hinweis: Ubuntu-Rescue-Remix
Datenschutzbeauftragter Online | 3. November 2009 — Nach dem Systemcrash ist die Panik groß und die so gut durchdachte Backup-Strategie zeigt gerne einmal kleine, aber wichtige Lü…
Ubuntu Privacy Remix gegen den Bundestrojaner
Schnüffelblog | 24. November 2008 — Wem das letzte Posting ein bisschen zu mysteriös war, findet die Erklärung bei Gulli: Einer zwölfmonatiger Vorarbeit vorausgehen…
IP|Rezension: Peter Raue; Jan Hegemann (Hrsg.), Münchener Anwalts Handbuch Urheber- und Medienrecht
IP|Notiz | 8. Januar 2011 — Das neue Müncher Anwalts Handbuch Urheber- und Medienrecht ist ein gutes, lohnendes Buch: Das kann so gesagt werden. In einem…
RIP – A Remix Manifesto
criminologia | 7. August 2009 — Gregg Michael Gillis ist ein amerikanischer DJ und Produzent, der – besser bekannt unter dem Künstlernamen GirlTalk – Musik pro…
Cdu Logos: CDU-Plakat-Remix
Archivalia | 12. August 2009 — http://www.presserecht-aktuell.de/?p=876 Die im Detail nicht immer korrekte (z.B. Urheberrechtsschutz des CDU-Logos) Darstellung w…
Zippelius: Rechtsphilosophie
Jurakopf | 14. März 2008 — Ich habe bereits ein Buch zum Thema Rechtsphilosophie vorgestellt (hier zu finden), heute stelle ich kurz das Werk von Zippeliu…
Axolotl Roadkill: Amazon.de: Helene Hegemann: Bücher
Plagiatsfall Hegemann: Das Feuilleton findet Abschreiben ohne Quellenangabe voll OK - Das Literatur-Café - Der literarische Treffpunkt im Internet
Helene Hegemann und Airen – Interview mit “Strobo”-Verleger Frank Maleu | Spreeblick
Wie es im Titel steht: Es folgt ein Interview mit Frank Maleu vom SuKuLTuR-Verlag, in dem Airens Strobo erschien. Über Hegemann, den Literaturbetrieb, und
Literatur: Plagiatsfall Hegemann: Streit um fremde Federn
Axolotl Remix
Literatur: Plagiatsfall Hegemann: Streit um fremde Federn – Seite 2
Seite 2 des Artikels: Plagiatsfall Hegemann: Streit um fremde Federn -

