Harmoniesüchtige Pflichtverteidiger

Das Thema ist nicht neu und auch in diesem Blog bereits vor knapp einem Jahr angesprochen worden: Muß ein AngeklagterBeschuldigter einem vom Gericht ausgewählten und beigeordneten Pflichtverteidiger mit Skepsis begegnen?

Die Antwort sollte eigentlich ganz klar „Nein“ lauten, da der auf diese Weise beigeordnete Anwalt seinem Mandanten ebenso verpflichtet ist wie ein von dem Mandanten selbst ausgewählter Verteidiger (wobei der Beschuldigte sich grds. auch den Pflichtverteidiger aussuchen kann, wenn er denn nur rechtzeitig die Anfrage des Gerichts beantwortet).

Manche Kollegen geben sich jedoch ersichtlich alle Mühe, die Pflichtverteidigern bisweilen vorgehaltenen Vorurteile zu bestätigen. Auf einer kürzlich erfolgten Fortbildungsveranstaltung berichtete der Referent von interessanten Verteidigungsstrategien, die – ohne daß der Anwalt hierzu „auf Krawall gebürstet“ sein muß - der Anklage das prozessuale Überleben schwer machen können.

In der Pause unterhielten sich dann die Teilnehmer über die Anregungen des Referenten, woraufhin eine Teilnehmerin sinngemäß bemerkte:

„Interessant ist das ja, aber in meinem Gerichtsbezirk würde ich das nie machen. Da riskiere ich doch nur, daß ich keine Pflichtverteidigungen mehr bekomme, wenn ich es dem Richter so schwer mache.“

Das verständnisvolle Nicken einiger Umstehender ließ nichts Gutes erahnen. Wer…

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Themen: Pflichtverteidiger , Konflikt
Rechtsgebiet: Strafrecht

Erschienen 27. April 2011 auf http://kanzleiundrecht.wordpress.com.

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