Hard Cases Make Bad Law
am 16.11.2006 von http://www.sartorienfelder.de
Volkes Stimme tobt sich zur Zeit zu einem Beitrag im Lawblog aus, der sich mit dem Mord an einem Häftling in der Siegburger JVA befaßt (siehe dazu auch hier und hier).
Auch wenn in den Gefängnissen in letzter Zeit einiges passiert ist (man denke etwa an die Dach-Vorführung letzte Woche in Dresden), sollte das nicht dazu führen, bei der Frage nach der Reaktion auf solche Vorfälle sämtliche Hemmungen fahren zu lassen. Im englischen Sprachraum sagt man nicht umsonst: “Hard cases make bad law.”
Wer jetzt wieder mit Schlagworten wie dem “Luxusknast” hausieren geht, sollte sich deshalb vielleicht mal ansehen, wie JVAs - nicht selten Bauten aus Kaiser Wilhelms Zeiten - in Wirklichkeit von innen aussehen oder sich mit Vollzugsbeamten darüber unterhalten, was diese von den jetzt wieder vielfach geforderten Verschärfungen im Strafvollzug halten. Ohnehin beantwortet kaum jemand die Frage, wie solche Maßnahmen dazu beitragen sollen, Kriminalität einzudämmen. Wenn das so einfach wäre, dann wäre sie in nicht wenigen Staaten auf dem Erdball wohl schon längst ausgerottet.
Wenn dann immer wieder mit den Interessen des Opfers argumentiert wird, hinterläßt das einen schalen Nachgeschmack. Denn da drängt sich nur allzuoft der Eindruck auf, als sollten gerade diese Interessen, die die Proponenten solcher Verschärfungen zumeist gar nicht kennen und sich im Grunde auch gar nicht für sie interessieren, bloß als Vehikel benutzt werden, um persönliche Frustrationen herauszulassen. Der Einwand, der jetzt meist kommt: “Das sagt sich leicht, wenn man selbst nicht zum Opfer geworden ist.” Es sagt sich in der …
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