Hanseatisches OLG: Rechtswidrige AGB nicht abmahnfähig

Verwenden Unternehmer in ihrem Internetauftritt AGB, dienen diese dazu, in Abweichung von gesetzlichen Vorgaben die Rechtslage zugunsten des Unternehmers zu gestalten. Dabei läuft der Unternehmer als Verwender der AGB stets Gefahr, mit seinem Klauselwerk über das Ziel hinaus zu schießen und Klauseln zu verwenden, die mit den §§ 305 ff. BGB (vormals: AGBG) nicht in Einklang stehen.

Verstoßen die Klauseln jedoch gegen §§ 305 ff. BGB stellt sich für Wettbewerber des Verwenders zugleich die Frage, ob in der Verwendung rechtswidriger AGB auch eine unlautere Wettbewerbshandlung iSd §§ 3 ff. UWG gesehen werden kann. Das Hanseatische Oberlandesgericht hat hierauf eine eindeutige Antwort gegeben und sich damit in Widerspruch zur bisherigen Rechtsprechung anderer Obergerichte gesetzt: Klauseln, die ersichtlich den Verbraucher benachteiligen und lediglich nach Vertragsschluss ihre Wirkung entfalten (etwa bei Teillieferungsvorbehalten oder Vorauszahlungsverpflichtungen des Kunden), sind in der Regel nicht geeignet, einer wettbewerbsrechtlichen Abmahnung zum Erfolg zu verhelfen (Hanseatisches OLG, Beschluss v. 13.11.2006 – Az: 5 W 163/06 = Volltext via medien-internet-recht.de; Vorinstanz: LG Hamburg – Az: 327 O 583/06)

Sachverhalt

[…] I. Beide Parteien vertreiben u.a. über die Internetplattform eBay Reitsportartikel. Die Antragsgegnerin besitzt auch entsprechende Ladengeschäfte und bietet ihre Produkte darüber hinaus im Internet auf einer eigenen Website [h.com] an. Die Antragstellerin nimmt die Antragsgegnerin im Wege der einstweiligen Verfügung u.a. wegen der Verwendung verschiedener AGB-Klauseln bei eBay und auf der eigenen Website der Antragsgegnerin auf Unterlassung in Anspruch. Dabei hält die Antragsgegnerin die Verwendung der folgenden Klauseln für wettbewerbswidrig:

a) “Die schriftlich, fernmündlich, per Internet-Auktion oder per Email erteilten Bestellungen des Kunden sind Angebote, an die der Kunde grundsätzlich eine Woche gebunden ist. Der Vertrag kommt durch unsere Auftragsbestätigung oder Übersendung bzw. Übergabe der Ware innerhalb dieser Wochenfrist zustande. Bei Internet-Versteigerungen oder sonstigen Verkäufen gegen Höchstgebot vollzieht sich der Vertragsschluss automatisch mit dem jeweils Meistbietenden beim Ende der Auktion.”

c) “Teillieferungen sind zulässig.”

d) “Der Versand der Ware erfolgt gegen Vorausüberweisung. Auf Wunsch des Kunden kann auch ein Termin zur Abholung der Ware vereinbart werden.”

g) “Für Gebrauchtware gilt eine Gewährleistungsfrist von 1 Jahr. Sollten innerhalb dieses Zeitraums Funktionsstörungen auftreten, so erfolgt eine Ersatzlieferung oder eine Erstattung des Kaufpreises nur dann, wenn eine Reparatur nicht möglich oder wirtschaftlich nicht sinnvoll ist.”

Außerdem geht es um eine mit “14-Tage-Geld-zurück-Garantie” überschriebene AGB auf der Website der…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Wettbewerb , Verbraucherschutz , Abmahnung , Fernabsatz , Unternehmer
Rechtsgebiet: Wettbewerbsrecht

Erschienen 9. Mai 2007 auf http://www.kremer-legal.com.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Wettbewerbsverstoß durch unzulässige AGB-Klauseln

Handakte WebLAWg | 28. Januar 2007 — Eine AGB-Klausel, die die Rechtsstellung des Kunden ersichtlich nicht verbessert, sondern verschlechtert, ist nicht zwingend …

AGB und Wettbewerbsrecht - saubere Entscheidung des OLG Hamburg

LBR-Blog | 17. Januar 2007 — In der Blüte des Abmahnwahns beschert uns das Hanseatische Oberlandesgericht einen zuürckweisenden Beschluss der sich deutlich z…

Vorsicht bei der Klausel "Teillieferung und Teilabrechnung sind zulässig"!

IT-Recht Kanzlei - Nachrichten | 4. März 2008 — Das Verwenden der Klausel „Teillieferung und Teilabrechnung sind zulässig” in Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) stellt ein…

BGH: Belehrungspflichten über das Rückgaberecht

IT-Rechtsinfo | 10. Dezember 2009 — Hintergrund: Der Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände klagte gegen die Betreiberin eines Handels mit Hei…

AGB Klausel reicht als Werbeeinwilligung nicht aus

IT-Rechtsinfo | 2. Mai 2011 — Ein Telekommunikationsunternehmen nutzte eine Klausel in seinen AGB, welche als Einverständnis des Kunden zur Nutzung seiner Konta…

Ebay Abweichende Beschreibung: Abweichende AGB von ebay-Händlern sind nicht wettbewerbswidrig

Dr. Bücker Newsfeed | 11. Juli 2008 — Im Beschluss vom 16.05.2008 – Az.: 6 U 26/08 stellt das OLG Köln fest, dass Allgemeine Geschäftsbedingungen eines ebay-Händlers, d…

Unwirksamer Gewährleistungsausschluss bei privaten Verkäufen

www.rechtsklarheit.de | 10. Januar 2010 — Anders als gewerbliche Verkäufer können private Verkäufer im Kaufvertrag über gebrauchte Sachen einen Gew&aum…

OLG Hamburg: Nicht jede unzulässige Bestimmung in AGB ist Wettbewerbsverstoß

LBR-Blog | 15. Dezember 2006 — Heute wurde ein Beschluss des OLG Hamburg, vom 13.11.2006, 5 U W 162/06 - - (rechtskräftig) - bekannt, der dem Abmahnwahn ein…

OLG Hamburg: Eine Salvatorische Klausel kann unwirksam sein und dann kostenpflichtig abgemahnt werden

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 26. Mai 2011 — OLG Hamburg, Urteil vom 02.04.2008, Az. 5 U 81/07 § 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB; §§ 3; 4 Nr. 11 UWG Das OLG Hamburg hat in die…

Sind falsche AGB abmahnfähig? (Auswirkungen der UGP-Richtlinie)

IT-Recht Kanzlei - Nachrichten | 5. Oktober 2008 — Noch bis vor kurzem war die Frage streitig, ob unwirksame (weil rechtswidrige) AGB in wettbewerbsrechtlicher Hinsicht zu beanst…

MIR Dok. 035-2007: LG Hamburg, Urteil vom 30.06.2006 - Az. 309 S 276/05 - Unverlangte Telefonanrufe zu Markforschungszwecken gegen�ber Verbrauchern k�nnen wettbewerbswidrig i.S.d. � 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG sein.