Handy-Kunde muss Horror-Rechnung nicht zahlen
am 26.04.2007 von http://www.strafblog.de
Das Landgericht Augsburg hat laut stern.de heute die Zahlungsklage des Mobilfunkanbieters D2 gegen einen Kunden abgewiesen, der auf Zahlung einer Monatsrechnung von 13.962,77 Euro in Anspruch genommen wurde. Der Mann sei offenbar Opfer eines Hacker-Angriffs geworden, in dessen Folge unbemerkt Verbindungen zu Mehrwertdiensten hergestellt worden seien, meinte das Gericht. Die Beweislast dafür, dass der Kunde die Rechnung verursacht habe, liege beim Netzbetreiber. Wenn der Kunde, wie im vorliegenden Fall, bestreite, die in Rechnung gestellten Telefonate geführt zu haben und diese von seinem üblichen Telefonverhalten weit abwichen, sei es naheliegend, dass dieser Opfer einer unbemerkten Herstellung von Verbindungen durch heimliche Manipulationen Dritter geworden sei. Dieses “Hacker-Risiko” habe aber nicht der Kunde zu tragen.
Vorliegend hatte der Handynutzer seit 1999 monatlich zwischen 34 und 156 Euro vertelefoniert. Im August 2004 stieg die Rechnung durch tage- und nächtelange Serientelefonate zu 0190-Nummern von jeweils exakt 59 Minuten Dauer und sofortiger Wiedereinwahl auf den oben genannten ziemlich astronomischen Betrag. D2 hatte sich geweigert, im Verfahren offen zu legen, wer hinter den angewählten 190er-Nummern steht.
(Aktenzeichen: Landgericht Augsburg 3 O 678/06)
Auch wenn es sich um ein zivilrechtliches Urteil handelt, ist der strafrechtliche Bezug naheliegend. Die unbemerkte Herstellung von Telefonverbindungen zu Lasten eines Handy-Nutzers ist strafrechtlich genauso relevant wie das wahrheitswidrige Bestreiten tatsächlich geführter Telefonate. Die Überbürdung der Beweislast auf den Netzbetreiber ist zu begrüßen, da der Kunde ansonsten eher hilflos den Rechnungen der Betreiber ausgeliefert wäre. Man wird sehen, ob das bislang nicht rechtskräftige Urteil Bestand haben wird.
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