Handelsrabatte für eine Internetapotheke aus den Niederlanden
Das deutsche Krankenversicherungsrecht bietet auch für Internetapotheken einige Fallstricke. So muss eine aus den Niederlanden
agierende Versand- und Internetapotheke einem Pharmaunternehmen Herstellerrabatte auf Arzneimittel in Höhe von ca. 290.000,00 €
zurückzahlen.
Vor dem Sozialgericht Aachen geklagt hatte ein in Aachen ansässiges Pharmaunternehmen. Dieses hatte in den Jahren 2003 bis 2005 in
der Annahme, dazu verpflichtet zu sein, Abschläge, die die beklagte Internetapotheke den gesetzlichen Krankenkassen für die im
Versandhandel vertriebenen Arzneimittel eingeräumt hatte, wiederum der Internetapotheke erstattet. Das Bundessozialgericht in entschied allerdings im Jahre 2008, dass Arzneimittel, die
als Import im Rahmen des Versandhandels an Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen abgegeben werden, nicht der gesetzlichen
Herstellerrabattverpflichtung unterliegen.
Vor dem Hintergrund dieser Rechtsprechung forderte das Pharmaunternehmen daraufhin die nach seiner Ansicht ohne Rechtsgrund gezahlten
Erstattungsbeträge von der niederländischen Versandpotheke zurück. Diese vertrat die Auffassung, die Klägerin habe schon bei der
Erstattung der Rabatte gewusst, dass sie dazu gesetzlich nicht verpflichtet sei; sie hätte es jedenfalls erkennen können. In einem
solchen Fall könne man die Herstellerabatte aber später nicht zurückfordern. Im Übrigen seien etwaige Ansprüche auf Rückforderung
zwischenzeitlich verjährt.
Dieser Argumentation folgte das Sozialgericht Aachen jedoch nicht: Zwar wäre eine Rückforderung ausgeschlossen und auch verjährt
gewesen, wenn das Pharmaunternehmen gewusst hätte, nicht zur Leistung an die Versandhandelsapotheke verpflichtet zu sein. Nach der
Überzeugung des Gerichts war die Klägerin jedoch bei den Zahlungen von einer dazu bestehenden gesetzlichen Pflicht tatsächlich
überzeugt und konnte dies auch sein. Der Herstellerrabatt ist im Sozialgesetzbuch grundsätzlich geregelt. Dass er ausnahmsweise für
importierte Arzneimittel nicht gilt, habe das Pharmaunternehmen letzlich erst durch die Entscheidung des Bundessozialgericht aus dem
Jahr 2008…
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