Haben Prominente Rechte - ein weiteres Caroline-Urteil
Der Bundesgerichtshof hat kürzlich die Urteilsgründe einer weiteren Entscheidung im Zusammenhang mit der umfangreichen
Auseinandersetzungen zwischen der Fürstin Caroline von Monaco nebst Angehörigen und der Presse veröffentlicht. In diesem Falle
handelte es sich um Streitfrage, ob Ernst August von Hannover im Besein seiner Gattin dulden muß, dass er abgelichtet wird.
Information vs. Sensationslust ?
Das deutsche Presse- und Medienrecht ist in den letzten Jahren durch eine Vielzahl von “Caroline”-Entscheidungen umfassend geprägt
und konkretisiert worden. Im Zentrum steht dabei immer die Abwägung, inwieweit Prominente, an denen die Öffentlichkeit ein
Informationsinteresse geltend machen kann, Eingriffe in ihr Persönlichkeitsrecht erdulden müssen.
Nunmehr trat Ernst August von Hannover als Kläger auf, weil er im Beisein seiner Gattin, Caroline von Monaco, in St. Moritz
abgelichtet worden war. Er begehrte mit seiner Klage künftige Unterlassung der Veröffentlichung jener Bilder. In erster Instanz ging
das Verfahren zu seinen Gunsten aus. In zweiter Instanz wurde dieses Urteil jedoch aufgehoben und dies wurde jetzt im
revisionsrechtlichen Verfahren auch bestätigt. Dem jüngst verhandelten Fall ging dabei europäische Rechtsprechung voraus, die ein
zentrales juristisches Hilfsmodell des deutschen Medienrechts mehr oder minder zu Fall brachte:
Die absolute Person der Zeitgeschichte!
Ursprünglich hatte die deutsche Rechtsprechung die Figur der “absoluten Person der Zeitgeschichte” entwickelt, die aus § 23 KUG als
Ausnahmetatbestand abgeleitet wurde. Demnach konnte über das Recht am eigenen Bild nach § 22 KUG derjenige nicht mehr verfügen, der
aufgrund
“(…) seines Status und seiner Bedeutung allgemeine öffentliche Aufmerksamkeit findet, so dass er selbst Gegenstand der Zeitgeschichte
ist und deshalb über denjenigen berichtet werden darf. (…)”
Dies galt bis dato, auch für sogenannte Begleiter, soweit diese nicht Kinder waren. D.h. Ernst August von Hannover mußte als
Begleiter von Caroline von Monaco die Ablichtung seiner selbst dulden.
Der europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg hatte dieses Rechtsinstitut der “Begleiter-Rechtsprechung” in
seiner Entscheidung vom 24. Juni 2004 jedoch scharf kritisiert und als mit der europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK)
unvereinbar erklärt.
Mit dieser Ausgangssituation hatte sich nunmehr erneut der BGH zu befassen. Nachdem die Vorgaben des EGMR zunächst doch eher
zögerlich übernommen worden sind, ist mit der jüngesten Entscheidung wohl von der endgültigen Abkehr des obersten deutschen
Zivilgerichts auszugehen.
Die Rechtsfigur der “absoluten Person der Zeitgeschichte” wird nun nicht mehr als Bewertungsmaßstab herangezogen. Im Duktus der
Begründung findet sich nur noch der Begriff der “Person der Zeitgeschichte”. Insoweit k…
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