Guttenberg erwägt spezielle Militär-Staatsanwaltschaft
Berlin (Reuters) - Verteidigungsminister Karl-Theodor zu erwägt vor dem Hintergrund der Kundus-Affäre die Einrichtung einer speziellen
Militär-Staatsanwaltschaft.
Man könne wegen der umstrittenen Bombardierung zweier Tanklaster bei Kundus "die Einrichtung einer zuständigen Staatsanwaltschaft
überlegen", sagte der CSU-Politiker der Wochenzeitung "Die Zeit". "Auf jeden Fall schadet es nicht, wenn es bei solchen, sehr
komplexen Strukturen Fachwissen gibt", sagte zu Guttenberg auf die Frage nach einer eigenen Militärgerichtsbarkeit. Über die
Gestaltung werde derzeit in Parlament und Regierung nachgedacht.
Die Bundesanwaltschaft hatte Ende vorigen Jahres das Bombardement bei Kundus rechtlich überprüft und war in einer vorläufigen
Bewertung zu dem Schluss gekommen, dass eine strafbare Handlung deutscher Soldaten nicht vorliege. Es ergäben sich keine Hinweise auf
eine Straftat nach dem Völkerstrafgesetzbuch.
Union, FDP und SPD fordern seit langem die Einrichtung einer Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Ermittlungen gegen Bundeswehr-Soldaten
im Auslandseinsatz. Ermittlungsverfahren gegen deutsche Soldaten im Auslandseinsatz waren in der als unerträglich lang kritisiert worden. Neun Monate dauerte es
etwa, bis die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Oder im Mai 2009 die Ermittlungen gegen einen Bundeswehr-Soldaten einstellte, der an einem
Kontrollposten in eine Frau und zwei
Kinder erschossen hatte. Zu Guttenbergs Vorgänger (CDU) hatte sich für eine ähnliche Regelung wie beispielsweise bei Straftaten auf
hoher See eingesetzt, für die grundsätzlich die zuständig ist. Als Sitz der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für
Ermittlungen zu Auslandseinsätzen ist vor allem im
Gespräch, weil dort auch das Einsatzführungskommando der Bundeswehr seinen Sitz hat. Bisher sind Wohn- oder Dienstort der betroffenen
Soldaten ausschlaggebend.
Quelle:
Reuters (28. Januar 2010)