Gutachten: Deutschland braucht jährlich 100.000 Zuwanderer
am 26.06.2008 von http://www.reuters.com
Berlin (Reuters) - Deutschland braucht nach Einschätzung von Experten mehr gut ausgebildete Zuwanderer, um seinen Wohlstand deutlich zu steigern.
Innerhalb von 20 Jahren könne sich das Bruttoinlandsprodukt um mehr als 100 Milliarden Euro erhöhen. Eine qualifizierte Zuwanderung bedeutet keine Verdrängung von inländischen Arbeitskräften, sondern vielmehr eine Zunahme des Wohlstands, sagte Michael Hüther vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) am Donnerstag in Berlin. Voraussetzung sei, dass 100.000 Menschen mehr pro Jahr nach Deutschland kämen und sie ähnliche berufliche Fähigkeiten mitbrächten wie die einheimische Bevölkerung.
Durch die geringe Zuwanderung nimmt dem Statistischen Bundesamt zufolge die Bevölkerungszahl seit 2003 ab. Eine leicht höhere Geburtenrate im Jahr 2007 um 1,8 Prozent konnte diese Entwicklung nicht stoppen.
Hüther plädierte für ein Punktesystem, um vorrangig gut ausgebildete Einwanderer nach Deutschland zu locken. Ein solches System wird etwa in Kanada angewandt, wo der Studie zufolge 46 Prozent der Einwanderer hoch qualifiziert seien, gegenüber rund 19 Prozent in der Bundesrepublik.
Das IW wies erneut auf den massiven Fachkräftemangel in Deutschland hin. 2006 seien mehr als 165.000 Stellen für Hochqualifizierte unbesetzt geblieben. Besonders fehle es an Bewerbern für technische oder naturwissenschaftliche Berufe. Hüther sieht dabei das Kernproblem nicht in der Abwanderung von Spitzenkräften ins Ausland: Ein Großteil der Migration deutscher Forscher hat temporären Charakter und ist die Folge der Internationalisierung von Berufskarrieren. Mehr als 70 Prozent der deutschen Wissenschaftler kehren der Studie zufolge nach weniger als zwei Jahren in ihr Heimatland zurück.
Damit jedoch auch ausländische Hochqualifizierte ins Land kämen, sei eine Reform des Einwanderungsgesetzes notwendig, erklärte Hüther. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Hartfrid Wolff forderte, man brauche keine punktuellen Initiativen, sondern eine Willkommenskultur: Der Wettbewerb um die klügsten Köpfe wird in den nächsten Jahren massiv steigen.
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