Große Trauer um Film-Produzent Bernd Eichinger

München/Berlin (Reuters) - Der plötzliche Tod des legendären Film-Produzenten Bernd Eichinger hat in Politik, bei Schauspielern und in der Filmwirtschaft tiefe Trauer ausgelöst.

"Wie unzählige Freunde des deutschen Films habe ich mit Bestürzung vom Tod Bernd Eichingers erfahren," teilte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch mit. Das deutsche Kino verliere nicht nur den erfolgreichsten Produzenten der letzten Jahrzehnte, sondern auch seinen leidenschaftlichsten Antreiber und Träumer. Millionen Fans verdankten ihm berührende Momente. "In seinen Filmen von 'Christiane F.' über 'Der Untergang' bis hin zum 'Baader Meinhof Komplex' wird Bernd Eichinger weiterleben", erklärte die Kanzlerin.

Der 61-Jährige war am Montagabend in der kalifornischen Filmmetropole Los Angeles bei einem Abendessen mit Freunden und seiner Familie einem Herzinfarkt erlegen. Der Münchner Konzern Constantin Medien, dessen Tochter Constantin Film Eichinger 1977 gründete und über Jahrzehnte prägte, sprach von einer "unfassbaren Nachricht".

Erschüttert zeigten sich auch Kollegen: "Bernd Eichinger war einer der größten deutschen Produzenten, dass er nicht mehr da ist, reißt eine auf Jahre nicht zu schließende Lücke in unserer Branche", sagte der Vorsitzende des Vorstands der Produzentenallianz, Alexander Thies, Eichinger habe mit seinem Denken in großen Dimensionen der Branche entscheidende Impulse gegeben und das deutsche Kino in den vergangenen drei Jahrzehnten maßgeblich mitgeprägt.

Schauspieler und Regisseur Til Schweiger sagte am Dienstagabend unmittelbar nach Bekanntwerden der Nachricht: "Sein Tod macht mich unendlich traurig, und er hat ganz viel für mich bedeutet, weil er ein enger Freund geworden ist. Am Anfang war er eine Art Mentor."

OSCAR FÜR "NIRGENDWO IN AFRIKA"

Die Liste der Eichinger-Erfolge im In- und Ausland liest wie eine Zeitreise durch die Kinogeschichte: "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo", "Der bewegte Mann" mit Til Schweiger, "Das Superweib" mit Veronica Ferres, "Ballermann 6", "Der Schuh des Manitu", "Werner - das muss kesseln", "Rossini - oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief", "Die unendliche Geschichte", "Der Name der Rose" mit Sean Connery, "Das Geisterhaus", "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" oder "Der Baader-Meinhof-Komplex".

Für Constantin Film hat Eichinger über 50 Filme produziert. Allein im deutschsprachigen Raum sahen bislang mehr als 80 Millionen Kinobesucher seine Geschichten. "Das Parfum" spielte international über 130 Millionen Dollar ein und ist damit einer der erfolgreichsten deutschen Filme der vergangenen Jahre. "Der Untergang" über die letzten Hitler-Tage setzte mehr als 75 Millionen Dollar um und wurde 2005 als "Bester ausländischer Film" für den Oscar nominiert. "Nirgendwo in Afrika" gewann 2003 den Oscar.

Eichinger studierte an der Hochschule für Fernsehen und Film München und brachte Constantin Film 1999 an die Börse. Bis 2001 war er Vorstandschef. Danach wirkte er über viele Jahre bis zuletzt im Aufsichtsrat. Sein Tod reißt ein großes Loch. An der Börse verloren die Aktien von Constantin Medien - das Unternehmen schreibt ohnehin schon rote Zahlen - knapp zwei Prozent auf 1,62 Euro und waren damit einer der größten Verlierer im Kleinwerte-Index SDax.



Quelle: Reuters (26. Januar 2011)

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Erschienen 26. Januar 2011 bei http://www.reuters.com.

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