Große Krankenkassen zum Halbjahr finanziell weiter unter Druck

Berlin (Reuters) - Ungebremste Ausgabensteigerungen für Arzneimittel und Klinikbehandlungen haben den bundesweit größten gesetzlichen Krankenkassen im ersten Halbjahr ein kräftiges Finanzdefizit beschert.

Bei der Barmer lag das Minus nach Reuters-Informationen vom Dienstag in den ersten sechs Monaten bei 157 Millionen Euro. Im Vergleich zum ersten Quartal verschlechterte sich die Situation bei Deutschlands größter Kasse damit noch mal um sieben Millionen Euro. Auch die DAK als zweitgrößte Kasse hat im Halbjahr ein Minus erwirtschaftet, das mit 74 Millionen Euro aber gegenüber dem ersten Quartal um sechs Millionen verringert werden konnte. Die Techniker Krankenkasse liegt weiter mit 73 Millionen Euro in den roten Zahlen.

Die Angaben für das zweite Quartal sind von besonderer Bedeutung, da sie die Basis für die Festsetzung des bundeseinheitlichen Beitragssatzes für den Gesundheitsfonds bilden. Kassenexperten gehen angesichts der sich abzeichnenden Ausgangslage davon aus, dass es für Mitglieder preisgünstiger Kassen im Schnitt teurer werden wird. Barmer-Chef Johannes Vöcking sagte Reuters, der Satz werde um 15,5 Prozent liegen müssen. Die Regierung muss die genaue Höhe bis spätestens Ende Oktober festlegen.

Nach dem defizitären zweiten Quartal sieht Vöcking für seine Kasse keine Chance mehr, am Jahresende noch ein Plus aufzuweisen. "Wir werden leicht negativ abschließen", sagte er. Auch die DAK rechnet einem Sprecher zufolge allenfalls mit einem ausgeglichenen Ergebnis. Dies wäre eine deutliche Verschlechterung zu 2007: Die Barmer hatte da ein Plus von 300 Millionen Euro, die DAK von 206 Millionen Euro und alle Kassen zusammen einen Überschuss von 1,8 Milliarden Euro verzeichnet.

Die Halbjahreszahlen der großen Kassenverbände von AOK, Innungs-, Betriebs- und Ersatzkassen werden in den nächsten zwei Wochen erwartet.



Quelle: Reuters (19. August 2008)

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Themen: Berlin , Arzneimittel , Dak

Erschienen 19. August 2008 bei http://www.reuters.com.

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