Größte Krankenkasse erwartet 2011 keine Zusatzbeiträge

Berlin (Reuters) - Die Mehrheit der Mitglieder gesetzlicher Krankenkassen muss nach Einschätzung von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler und ihrer Versicherer 2011 keine neuen Zusatzbeiträge befürchten.

"Dank des geplanten ausbalancierten Reformpakets wird der durchschnittliche Zusatzbeitrag 2011 voraussichtlich bei null Euro liegen können", sagte der FDP-Politiker der "Rheinischen Post". Der Bundesverband der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) und die Barmer GEK stimmten Rösler zu. Sie betonten allerdings am Mittwoch, Zusatzbeiträge würden nur dann nicht erhoben, wenn die Sparpläne der Regierung auch wirklich umgesetzt würden.

Die Barmer GEK ist mit 8,6 Millionen Versicherten die größte gesetzliche Krankenkasse. Die AOKen stehen für insgesamt 24 Millionen Mitglieder.

BARMER GEK BEKLAGT ZU VIELE ARZTBESUCHE

Die Barmer GEK stellte eine Studie vor, nach der die Deutschen nach wie vor im europäischen Vergleich mit durchschnittlich 18 Arztbesuchen pro Jahr an der Spitze liegen. Hier müsse nachgesteuert werden, forderte Kassen-Chefin Birgit Fischer. Das Kieler Institut für Gesundheits-System-Forschung forderte massive Leistungseinschnitte, um das Gesundheitssystem in den kommenden Jahrzehnten bezahlbar zu halten. Daher müsse etwa gefragt werden, ob die Versorgung von Frühgeborenen und die Behandlung von Todkranken beschränkt werden sollte, sagte der Leiter des Kieler Instituts für Gesundheits-System-Forschung, Fritz Beske, in Berlin.

Nach Berechnungen des Instituts wird der Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung bis 2060 bei einer jährlichen Ausgabensteigerung von einem Prozent aufgrund des medizinischen Fortschritts von heute 14,9 Prozent auf über 30 Prozent steigen. Bei einer Kostensteigerung von zwei Prozent würde der Kassenbeitrag über 50 Prozent des Lohns ausmachen.

HAUSÄRZTE GEHEN IN NRW AUF DIE STRASSE

Unterdessen demonstrierten in Nordrhein-Westfalen rund 2000 Hausärzte für höhere Honorare. Im gesamten Bundesland blieben nach Angaben des Hausärzteverbandes Praxen aus Protest gegen die Entgelte geschlossen. Viele Mediziner nahmen an einer zentralen Protestkundgebung in Essen teil. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen warf ihnen vor, wegen der Schließungen der Praxen den Honorarstreit auf dem Rücken der Patienten auszutragen.



Quelle: Reuters (15. September 2010)

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Erschienen 15. September 2010 bei http://www.reuters.com.

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