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Griechischer Blogverzeichnis-Betreiber verhaftet

am 30.10.2006 von RA-Blog

Antonis Tsipropoulos, Betreiber eines Blog-Verzeichnisses mit RSS-Feeds (blogme.gr), wurde letzte Woche verhaftet, weil das Verzeichnis auf einen Blog-Beitrag mit angeblich beleidigendem Inhalt verlinkt hatte.
S.Frang hat mich letzten Donnerstag auf die Sache aufmerksam gemacht und u.a. folgendes geschrieben:
Eine Firma hat Anzeige nicht gegen den Blogger erstattet, der sie verleumdet haben soll, sondern gegen das blogme.gr-site, das über RSS eine Liste der täglichen Blogs erstellt und anbietet.
Die Polizei griff ein, beschlagnahmte alle Computer und alles was nach Computer aussah und führte den Angezeigten in Handschellen vor den Staatsanwalt. Dieser wusste überhaupt nicht, wer was und wo geschrieben hat, was ein Blog, was RSS sei usw. Schliesslich wurde der Angezeigte freigelassen, bis der Staatsanwalt (versteht und) beschliesst, was er damit macht.
Nachdem zahlreiche Nutzer bei Blogme.gr nachgefragt hatten, warum der Service abgeschaltet war, hatte der Betreiber alle registrierten Blogger per E-Mail informiert (nachzulesen bei Krizhere.com). Tsipropoulos hatte nicht mitgeteilt, wer die Anzeige erstattet hatte und um welchen Blog-Beitrag es ging. Es war nur von einer öffentlichen Person die Rede, von Beleidigung und öbszönem satirischem Inhalt.
Aufgrund des überzogenen Vorgehens der Strafverfolgungsbehörden vermuteten einige Blogger, dass der Anzeigenerstatter Verbindungen haben müsse.
Don’t Kiss the Frog äußerte die Vermutung, dass es sich bei der “Person mit Verbindungen” um einen ultranationalistischen Fernsehevangelisten handele und bei dem beleidigenden Blog um einen satirischen Blog, der dessen bedeutenden politischen und ideologisches Einfluss auf die griechische Gesellschaft großartig vereinfacht dargestellt und es im Alleingang geschafft habe, ihn aussehen zu lassen wie der Heini, der er wirklich sei.
Am 28.10. berichtete Kieren McCarthy, dass das Ziel der Satire der umstrittene griechische Fernsehevangelist Dimosthenis Liakopoulos war. Die Satireseite, auf der Liakopoulos veralbert wird, ist funel.blogspot.com. Weder die griechischen Behörden noch Liakopoulos selbst konnten auf direktem Weg etwas ausrichten, da die Seite in den USA gehostet wird.
Die englische Wikipedia weiß mehr über Liakopoulos (sinngemäß übersetzt):
Demosthenis Liakopoulos ist eine umstrittene Fernsehpersönlichkeit in Griechenland, die am besten als Nationalmystizist (en) beschrieben werden kann. […] Seine neueste TV-Show heißt “Dynata kai Ellinika” (”Laut und Grieche”) in welcher er seinen persönlichen Glauben über Geschichte, Technologie und Politik bewirbt, während er Werbung für die Bücher macht, die er publiziert. […]
Die Bücher umfassen eine Vielzahl Verschwörungstheorien, die meisten haben mit der Apokalypse, neuer Weltordnung, globalem Zionismus, Außerirdischen, der Theorie der hohlen Masse und anderen obskuren Themen zu tun. Er kombiniert Elemente einer Menge Verschwörungstheorien und mischt sie mit pseudoreligiösen und pseudohistorischen Fakten, um eine Erklärung für Entwicklungen der Welt zu präsentieren, die charakteristisch für Publikationen mit Verschwörungsthemen ist.
Martin Belam von Currybetdotnet thematisiert den zufälligen zeitlichen Zusammenhang zum Internet Governance Forum, das heute in Athen beginnt. Beim IGF wird es unter anderem um Meinungsfreiheit im Internet gehen. Amnesty International wird auch beim IGF vertreten sein und fordert Blogger auf, sich für die Redefreiheit im Internet einzusetzen und die Kampagne Irrepressible zu unterstützen.
Mehr dazu:
Metajournalism: Aggregating blogs in Greece could get you sued
Wikinews: Greek blog aggregation service administrator jailed, service censored

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