Gorleben wird auf Eignung als Atommüll-Endlager geprüft
Reuters | 16. März 2010 — Berlin (Reuters) - Nach zehnjähriger Pause wird der Salzstock Gorleben wieder auf seine Eignung als Endlager für hochradioaktiv…
Berlin (Reuters) - Nach zehnjähriger Pause wird der Salzstock Gorleben wieder auf seine Eignung als Endlager für hochradioaktiven Atommüll untersucht.
Sollte sich der Standort als geeignet erweisen, könnten dort in gut 20 Jahren erstmals verbrauchte Brennstäbe eingelagert werden, sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) am Montag in Berlin. Er setzt damit das noch von Rot-Grün verhängte Moratorium außer Kraft und einen Beschluss aus dem Koalitionsvertrag von Union und FDP um. "Das Ergebnis des gesamten Verfahrens ist offen", betonte Röttgen.
Parallel zu den Erkundungen solle Ton- oder Granitgestein wissenschaftlich auf seine Eignung als Endlager untersucht werden. Mit konkreten Standorten wird dies nach den Worten Röttgens aber nicht verknüpft. Entsprechende Bodenformationen kommen auch in den unionsregierten Ländern Bayern oder Baden-Württemberg vor.
UNTERSUCHUNGSAUSSCHUSS SOLL SICH MIT GORLEBEN BEFASSEN
Auf Kritik stieß das Vorhaben neben der Opposition auch bei Umweltschützern: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sprach von Geld- und Zeitverschwendung. Der drohende Einsturz des Salzbergwerks Asse zeige, dass nach anderen Gesteinsformationen und Standorten gesucht werden müsse. "Die Bundesregierung riskiert in Gorleben nach der Asse den nächsten Atommüll-Gau", sagte BUND-Chef Hubert Weiger. Nach Ansicht der Opposition war bereits die Auswahl von Gorleben in den 70er und 80er Jahren politisch motiviert. Sie wirft der damaligen Regierung unter Ex-Kanzler Helmut Kohl auch die Beeinflussung von Wissenschaftlern vor. Die Vorwürfe soll demnächst ein Untersuchungsausschuss des Parlaments klären.
Röttgen nannte dagegen den langen Erkundungsstopp für Gorleben falsch: "Das war verantwortungslos und feige." Es gehe bei der Suche auch nicht um mehr oder weniger gute Standorte. "Es geht um geeignet oder nicht geeignet", sagte der CDU-Politiker.
ERKUNDUNG UND GENEHMIGUNG WIRD MINDESTENS BIS 2030 DAUERN
Die nun wieder beginnende Phase der Untersuchung nach dem Bergrecht werde wohl bis etwa 2017 dauern. Eine Bürgerbeteiligung sei bei diesem Verfahren nicht vorgesehen. Röttgen sagte aber, man wolle transparent vorgehen und die Bürger informieren. Zudem werde eine internationale Expertengruppe diese Phase begleiten. Sollten die Erkenntnisse für ein atomrechtliches Genehmigungsverfahren sprechen, würde dieses mindestens weitere zehn Jahre in Anspruch nehmen. Erst danach könne mit dem Bau begonnen werden.
Röttgens Vorgänger Sigmar Gabriel (SPD) hatte ebenfalls eine Aufhebung des Erkundungsstopps angeboten, wollte dies aber mit einer parallelen Suche nach anderen Standorten verknüpfen. Das hatte die Union als damaliger Koalitionspartner abgelehnt.
Derzeit wird der hochradioaktive Abfall aus Atomkraftwerken - also vor allem alte Brennstäbe - in Zwischenlagern aufbewahrt. Mittel- und schwachradioaktiver Abfall kann in Schacht Konrad in Niedersachsen gebracht werden. Röttgen betonte, die Kosten für die Endlagerung müssten die Energieversorger tragen. In Gorleben sind bereits etwa 1,5 Milliarden Euro verbaut worden, für die weitere Erforschung wird mindestens die gleiche Summe erwartet.
Das Lager soll insgesamt für eine Million Jahre standsicher sein, damit die Radioaktivität abklingen kann, ohne Menschen zu gefährden. In den nächsten 500 Jahren muss zudem sicher sein, dass der Müll auch wieder an die Erdoberfläche zurückgeholt werden kann. Dies bereitet etwa jetzt im Atommülllager Asse massive Schwierigkeiten. Die Asse gilt als Forschungslager.
Erschienen 15. März 2010 bei http://www.reuters.com.
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