Gnädiges Amtsgericht
am 20.12.2006 von http://www.woetzel-online.info/
In
vorweihnachtlicher Stimmung zeigten sich Staatsanwaltschaft und
Amtsgericht Würzburg gestern im Fall einer schwer kranken Rentnerin, die
sich wegen Sozialhilfe-Betrug verantworten musste: Weil die Schuld
gering war und der 48-Jährigen im Monat gerade mal 200 Euro zum
Leben bleiben, wurde das Verfahren gegen Zahlung von 50 Euro Geldbuße
eingestellt.
Etwas
mehr als 1.000 Euro zuviel zahlte die Würzburger ARGE Arbeit
und Grundsicherung innerhalb von 14 Monaten an die Frau, die wegen
einer schweren Erkrankung nicht mehr arbeiten kann. Die 48-Jährige
hatte die kleine Rente, die sie wegen der Erwerbsunfähigkeit
bekommt, nicht im Antrag angegeben. Die Formulare hatte sie zusammen
mit ihrem Ehemann ausgefüllt, von dem sie sich inzwischen
getrennt hat. Ihm war alles zuviel, ich musste ihn immer
antreiben, sagte die Angeklagte. Ihr Mann war offenbar sogar zu
bequem dazu, gegen seinen Strafbefehl wegen Betrug Einspruch
einzulegen und bezahlte lieber die Geldstrafe.
Anders
die 48-Jährige, die vor Gericht von einem befreundeten Anwalt "pro bono" vertreten wurde. Sie ist davon ausgegangen, dass sie in
den Anträgen nur die Altersrente angeben muss. Sie hat nicht
richtig nachgedacht, so der Verteidiger. Seine Mandantin wohnt bei
ihrer Mutter und muss derzeit mit weniger als acht Euro pro Tag auskommen.
Das
war neben der geringen Schuld der Hauptgrund für Staatsanwältin
und Strafrichter, sich mit einer Einstellung des Verfahrens gegen
Zahlung von 50 Euro einverstanden zu erklären. Ausnahmsweise
aufgrund ihrer Erkrankung, sagte der Vorsitzende. Die Geldauflage
darf die Rentnerin in monatlichen Zehn-Euro-Raten abstottern.
Klassisches Eigentor des Angeklagten
schreibmaschine / So etwas nennt man wohl ein klassisches Eigentor (oder, wie eine Würzburger Staatsanwältin sagte: "Das war die Einlassung der Woche."). Ein 71-jähriger Winzer aus dem Kreis Würzburg hatte Einspruch gegen einen Strafbefeh…
Untreuer Anwalt zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt
schreibmaschine / In argen finanziellen Nöten befand sich offenbar ein Würzburger Rechtsanwalt, der zwei Mandanten um erhebliche Beträge gebracht hat. Der 52-Jährige wurde am Dienstag vom Amtsgericht wegen Betrugs, Untreue, Wucher und mittelbarer…
Sparsamer Bürgermeister muss zahlen
schreibmaschine / Weil er der Gemeindekasse 5.000 Euro Kosten ersparen wollte, muss der Bürgermeister einer Marktgemeinde im Kreis Würzburg jetzt in die eigene Tasche greifen. Die Staatsanwaltschaft hatte dem 56-Jährigen „Unerlaubtes Betreiben ei…
Fahrlässige Brandstiftung: Versicherung will nicht zahlen
schreibmaschine / Unterstützung bei der Auseinandersetzung mit ihrer Feuer-Versicherung erhielt eine Hausfrau aus Würzburg von Strafrichter Thomas Behl am Würzburger Amtsgericht. Die 59-Jährige hatte Ende Oktober einen Topf mit heißem Fett au…
Ballack muss bluten
Strafprozesse und andere Ungereimtheiten / Er hatte es gut gemeint: 2000 Euro ließ Michael Ballack sich die Handtasche für Lebensgefährtin Simone kosten, ein Mitbringsel aus Dubai. Doch weil er vergaß, sie zu verzollen, muss er nun ein Bußgeld von 70.000 Euro berappen. Eigentlich war d…
Brauerei-Prokurist veruntreut Leergut
schreibmaschine / Einen unschönen Abschied nach 34 Berufsjahren hatte ein Prokurist einer Würzburger Brauerei: Das Unternehmen kündigte ihm, nachdem er Leergut im Wert von 1.300 Euro hatte mitgehen lassen. Jetzt wurde der 55-Jährige deshalb vom Amt…
