Geständnis zweiter Klasse

Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat uns mal wieder mit einer der Strafprozessordnung bisher unbekannten Rechtsfigur beglückt. Zum Nachteil des Angeklagten, versteht sich. Was war geschehen? In Hamburg hatte vor einiger Zeit ein Taxifahrer eine Frau in den Kofferraum seines Taxis gesperrt und war mit ihr nach Hause gefahren. Dort war er dann ohne sich weiter um die Frau zu kümmern schlafen gegangen. Die Frau konnte sich bemerkbar machen und wurde nach einigen Stunden aus dem Kofferraum befreit. So weit, so beknackt. Jetzt steht der Mann wegen Freiheitsberaubung vor dem Landgericht. Die Staatsanwaltschaft hat gestern auf eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten plädiert. Das bewegt sich wohl im Bereich des Normalen . Zur Begründung ihrer Strafzumessung hat die Staatsanwaltschaft dann allerdings Bemerkenswertes geleistet. Dem Angeklagten, der zuvor bei seinem Opfer und seiner eigenen Familie (!) um Verzeihung gebeten hatte, warf sie vor - so wohl wörtlich - ein "Geständnis zweiter Klasse" abgelegt zu haben. Zweiter Klasse - also minderwertig - deshalb, weil der Taxifahrer "kein Motiv für die unfassbare Tat" angegeben habe. Das geht von einer erstaunlichen Fehlvorstellung der menschlichen Psyche aus, die man bei Strafjuristen in dieser Form eher nicht erwarten sollte. In der Physik mag nichts ohne Grund geschehen, aber lässt sich das so ohne weiteres auf den Menschen übertragen? Und vor allem: Wer sagt, dass sich ein Mensch der Motive seines Tuns jederzeit bewusst sein muss? Wir alle tun ständ…

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Themen: Motive , Motiv , Psyche , Physik , Staatsanwaltschaft Hamburg

Erschienen 2. Februar 2012 auf http://nebgen.blogspot.com.

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