Geständnis im Holzklotz-Fall - Widerruf

Vorgeschichte:

Am 23. März 2008 wird ein 6 kg schwerer Holzklotz von einer Autobahnbrücke (A 29) in Oldenburg auf einen PKW geworfen. Der Holzklotz durchschlägt die Windschutzscheibe und verletzt die Beifahrerin - eine 2fache Mutter - tödlich.

Tätersuche:

Die SK “Brücke” der Polizei fahndet nach vier bis fünf Jugendlichen. Es werden Fahndungsfotos veröffentlicht, hunderte Zeugen vernommen, die Fernsehsendung “Aktenzeichen XY” zur Unterstützung herangezogen und Anfang April ein Massengentest in Betracht gezogen.

An diesem Punkt sollen Nikolai H., einem 30jährigen Spätaussiedler aus Kasachstan, nach Medienangaben heroinabhängig und kriminell, Zweifel gekommen sein. Zweifel, ob seine Tat jetzt auffliegen würde. Hatte er sich bislang nur verdächtig oft in der Nähe des Tatorts aufgehalten, meldete er sich jetzt aus Angst, dass seine Spuren an dem Holzklotz haften könnten und dies bei einem Gentest ans Licht kommen könnte, freiwillig bei der Polizei als Zeuge. Er gab an, dass er mit dem Fahrrad auf dem Weg zu einem Dealer war, um sich Heroin zu beschaffen, als er auf dem Radweg besagten Holzklotz vorfand. Aus Umsicht habe er diesen zur Seite legen wollen und an das Brückengeländer gelehnt. Diese Aussage wiederholte Nikolai H. auch in dem RTL Interview mit Imken Ramelow, und machte sich mit seinen (zu) intensiven Bemühungen bei der Polizei mehr und mehr verdächtig.

Das Geständnis:

Wenige Tage später, am 21. Mai 2008, wird der von der Polizei ausgeübte Druck zu stark: Nikolai H. legt ein Geständnis ab. Den Holzklotz habe er mit dem Fahrrad von seinem Grundstück bis zum Tatort - nahezu 10 km - transportiert. Angeblich war der Sand aus Bodenproben in der Nähe des Hauses von Nikolai H. identisch mit dem am Holzklotz festgestellten Sand. Nikolai soll zwischenzeitlich ein umfassendes Geständnis abgelegt haben. Der verkündete Haftbefehl lautet auf Mord aus Heimtücke und gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr.

Erzwungen?

Am 6. Juni 2008 widerrufen die Verteidiger des Nikolai H. das Geständnis. Der heroinabhängige Mandant habe unter erheblichen Entzugserscheinungen gelitten. Das verlangte Methadon habe man ihm erst nach Abschluss des Verhörs zur Verfügung gestellt.

Die Verteidiger kritisieren weiterhin, dass die am Grundstück des Nikolai H. entnommenen Bodenproben mehrfach “umgetütet” worden und damit Asservate verändert worden seien.

Angeblich gibt es noch mindestens drei Tatverdächtige. Die Verteidiger fordern, dass die Ermittlungen wieder aufgenommen werden.

Vielleicht werden diese oder der demnächst folgende Prozess Klarheit in diesen Fall bringen. Wir bleiben auf jeden Fall am Ball und halten Sie an dieser Stelle auf dem Laufenden.

Die vorstehenden Informationen beruhen auf Berichten aus www.spiegel-online.de, www.rtl.de sowie www.focus.de.

Brigitte Renner

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Themen: Oldenburg

Erschienen 13. Juni 2008 auf http://www.strafblog.de.

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