Geschädigter Autofahrer kann auf freie Werkstatt verwiesen werden

Autounfall: Ein geschädigter Autofahrer kann bei einer fiktiven Abrechnung auf die Kosten einer freien Werkstatt verwiesen werden (Amtsgericht Mülheim an der Ruhr: Urteil vom 12. September 2011, Aktenzeichen 13 C 677/11).

Recht auf Markenwerkstatt? Versicherung verweigert Markenwerkstatt

Die Versicherung des Unfallverursachers stellte mit einem Gegengutachten jedoch eine ganz andere Rechnung auf: Sie ging bei der Berechnung von den konkret nachgewiesenen Kosten einer günstigen freien Werkstatt aus. Außerdem nahm die Versicherung keine UPE-Aufschläge für die Ersatzteile an. So errechnete die Versicherung des Unfallverursachers einen um 250,00 € niedrigeren Schadensersatz, als im Unfallgutachten des geschädigten Autofahrers angegeben.

Autofahrer streitet für Schadensersatz

Der bei dem Autounfall geschädigte Fahrer zog daraufhin vor das Amtsgericht und versuchte den nichtbezahlten Schaden von der gegnerischen Versicherung zu erstreiten. Dies gelang im konkreten Fall nicht.

Markenwerkstatt besser?

Das Amtsgericht gab der Versicherung des Unfall-Verursachers recht. Zunächst hatte der geschädigte Autofahrer nicht behauptet, dass die konkret genannte freie Werkstatt schlechtere Arbeit abliefert, als die vom geschädigten Autofahrer bevorzugte Markenwerkstatt. Das Gericht ging daher davon aus, dass die freie Werkstatt ein mit der Markenwerkstatt gleichwertiges Ergebnis erzielt hätte.

Recht auf Markenwerkstatt bei altem Auto?

Weiterhin hielt das Gericht dem geschädigten Autofahrer vor, dass das beschädigte Auto zum Zeitpunkt des Unfalls bereits 11 Jahre alt war. Es sei zwar richtig, dass ein Autobesitzer, der sein Fahrzeug bisher immer in einer Fachwerkstatt hat warten lassen, und ein lückenloses Scheckheft vorzuweisen hat, im Falle einer Beschädigung das Recht hat, das Fahrzeug auch in der Markenwerkstatt reparieren zu lassen. Vorliegend habe der geschädigte Autofahrer jedoch nur eine einzige Reparaturrechnung seiner Markenwerkstatt vorgelegt. Das Gericht hielt diesen Nachweis nicht für ausreichend. Ausreichend wäre z. B. die Vorlage eines Scheckheftes oder die Vorlage von Reparaturrechnungen einer Markenwerkstatt über einen Großteil der Lebensdauer des Autos gewesen.

UPE-Aufschläge üblich?

Weiterhin hatte der geschädigte Autofahrer nicht behauptet, dass UPE-Aufschläge in seiner Region üblich seien. UPE-Aufschläge sind Aufschläge auf den Listenpreis von Ersatzteilen, die in bestimmten Regionen von den Autowerkstätten üblicherweise erhoben werden. Dabei handelt es sich um Aufschläge für Lagerhaltung. In der Region des geschädigten Autofahrers waren solche UPE-Aufschläge jedoch nicht üblich. Sie konnten daher bei der Abrechnung der Reparatur auf fiktiver Basis auch nicht eingefordert werden.

Fazit:

Der beschriebene Fall ist zwar nicht spektakulär, aber absolut praxisrelevant. Geschädigte, die ihren Unfallschaden fiktiv abrechnen wollen, d. h…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Zeitpunkt

Erschienen 21. September 2011 auf http://www.kanzlei-honsel.de/.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

AG Köln: auch bei fiktiver Abrechnung sind die Stundenverrechnungssätze der markengebundenen Fachwerkstatt anzusetzen

Schadenfixblog | 26. März 2010 — Ersatz der Stundenverrechnungssätze einer markengebundenen Fachwerkstatt bei fiktiver Schadensabrechnung Das Amtsgericht Köln…

Ersatz der Reparaturkosten einer Markenwerkstatt bei fiktiver Abrechnung – Angemessenheit einer 1,5-fachen Gebühr

Schadenfixblog | 21. September 2011 — Ersatz der Reparaturkosten einer Markenwerkstatt bei fiktiver Abrechnung – Angemessenheit einer 1,5-fachen Gebühr Das Amtsger…

Unfallreparatur in der freien Werkstatt

Rechtslupe | 26. Oktober 2010 — Eine meistergeführte freie Reparaturwerkstatt ist nach Ansicht des Landgerichts Mannheim einer markengebundenen gleichwertig, w…

Bundesgerichtshof stoppt die Kürzungen der Haftplichtversicherungen bei den Reparaturkosten

www.rechtsklarheit.de | 4. November 2009 — Die Haftpflichtversicherungen haben immer wieder die von den Sachverständigen berechneten Raparaturkosten für die Reparatur eines …

Schadensersatz auch für alte Autos

Straßenverkehrsrecht | 17. Juli 2006 — Auch bei einem sieben Jahre alten Auto bekommt man im Rahmen der „fiktiven Abrechnung“ die Stundensätze einer Markenwerkstatt er…

Markenwerkstatt oder freie Fachwerkstatt?

Rechtslupe | 31. August 2010 — Der Schädiger kann den Geschädigten unter dem Gesichtspunkt der Schadensminderungspflicht gemäß § 254 Abs. 2 BGB auf eine günst…

Markenwerkstatt für den Unfallschaden

Blickpunkt Recht & Steuern | 25. Februar 2008 — Wer unverschuldet in einen Verkehrsunfall verwickelt wird, muss sich zur Reparatur seines Pkws von der gegnerischen Haftpflic…

Fachwerkstatt oder freie Werkstatt für den Unfallwagen?

Rechtslupe | 25. Mai 2010 — Der Schädiger darf den Geschädigten im Rahmen der fiktiven Schadensabrechnung unter dem Gesichtspunkt der Schadensminderungspfl…

Stundenverrechnungssätze Markenwerkstatt oder Freie Werkstatt

Schadenfixblog | 29. Januar 2011 — Nach einem unverschuldeten Unfall holt der Geschädigte ein Sachverständigengutachten zur Schadenshöhe ein. Der Gutachter schä…

Stundensätze einer markengebundenen Fachwerkstatt

Rechtsanwälte in Würzburg - Aktuelles | 4. März 2009 — Immer wieder entschieden Gerichte, dass auch bei fiktiver Abrechnung auf Gutachtenbasis die Stundensätze einer markengebundenen…