Gerri, Max und Susann: “Sieg oder Tod”

Es ist stiller um die Ermittlungen gegen Beate Zschäpe und den “Nationalsozialistischen Untergrund” geworden. Doch die Ermittler bekommen Tag für Tag ein genaueres Bild von der Gruppe, der sie mindestens zehn Morde, einen Mordversuch, zahlreiche Raubüberfälle und zwei Sprengsstoffanschläge zuschreiben. Und es ist – je nach Perspektive – erschreckend oder faszinierend, mit welchem Aufwand die Gruppe um Beate Zschäpe, Uwe Bönhardt und Uwe Mundlos vorgegangen zu sein scheint. So haben sich die drei gleich dutzendweise Aliasnamen zugelegt. Allein Beate Zschäpe trat unter mindestens neun verschiedenen Namen auf. Von “Mandy Struck” über “Susann Dienelt” bis hin zu “Silvia Roßberg”. In der Illegalität nannten sie sich “Gerri” (Bönhardt), “Max” (Mundlos) und “Susann” (Zschäpe).

Dabei konnte das Trio die Namen teilweise wohl selbst nicht auseinanderhalten: Beim Zwickauer Optiker nannte sich Beate Zschäpe anders, als bei Elektronikladen ein paar Straßen weiter.

Möglich wurden die Aliasnamen und mancher anderer Kniff um sich zu verstecken, durch die tatkräftige Hilfe der Unterstützer: Ausweise und sogar Geburtsurkunden wurden zur Verfügung gestellt, Waffen und Geld besorgt. Dabei soll das Trio als der harte Kern der NSU gewesen sein – den Helfern wurde es wohl zu konkret, als Anafng der 2000er Jahre mindestens eine scharfe Waffe an die Gruppe ging und Ziele formuliert wurden, wie “Mitstreiter gesucht im Kampf gegen die Kanackenflut”.

Nicht jeder der mutmaßlichen Unterstützer wollte diesen Weg wohl in aller Konsequenz gehen – und einer von ihnen, Holger G. aus dem RAum Hannover, hat sich schon kurz nach seiner Festnahme entschlossen, sein Wissen den Ermittlern zu offenbaren. Es wäre wohl auch ohne seine Angaben gegangen, aber seine Aussagen machen die Ermittlungen einfacher und schneller, höre ich.

Beate Zschäpe droht unterdessen eine Erweiterung des Haftbefehls wegen versuchten Mordes. Denn als sie die Wohnung in der Zwickauer Frühlingsstrasse in Brand steckte (und dazu wohl großzügig Superbenzin in der Wohnung verschüttete), war eine 19jährige Nachbarin im Gebäude – und mehrere Handwerker hätten dort arbeiten können, wenn sie nicht eben Pause gemacht hätten. Allein dieser Umstand dürfte eine eingelegte Haftbeschwerde (über die gerade der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofs berät) zum Scheitern bringen.

Inzwischen ist den Ermittlern auch klar, warum Zschäpe ein großes Interesse gehabt haben dürfte, möglichst viel in der Wohnung zu zerstören: Nicht nur Bekennervideos auf DVD, versandfertig verpackt, lagen in der Wohnung. Auch Waffen, persönliche Gegenstände der ermordeten Polizistin und eine Menge Unterlagen über die Planungen der Gruppe. Um die Wohnung zu sichern, hatte das Trio offenbar Bewegungsmelder und Überwachnungskameras installiert – unter anderem in einem Blumenkas……

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Themen: Hannover , Waffen , Optiker

Erschienen 13. Januar 2012 auf http://www.swr.de/blog/terrorismus.

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