Resozialisiert: Voll resozialisiert: Mandanten nach 15 Jahren wiedergetroffen
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Dass das Geld heutzutage oft knapp ist, weiß jeder, der sich wirtschaftlich betätigt. Auch vor uns Anwälten macht der allgemeine Mangel an Liquidität nicht Halt, die Bitten um Zahlungsaufschub, um Ratenzahlung und um Reduzierung des vereinbarten Honorars haben in letzter Zeit signifikant zugenommen. Von einer konjunkturellen Erholung keine Spur. Heute morgen habe ich lange mit einem Mandanten gesprochen, auch über das rückständige Honorar. "Überhaupt kein Problem", sagte der Mann, "ich fahre jetzt gleich zur Bank und bringe Ihnen das Geld vorbei. Versprochen. In 15 Minuten bin ich wieder da." Sprach´s und verschwand und war seitdem nicht mehr gesehen. Und telefonisch nicht mehr erreichbar. Nicht, dass er auf dem Rückweg zur Kanzlei noch Opfer einer Straftat geworden ist. Jetzt werde ich die Akten, die mir zur Einsichtnahme vorliegen, erst einmal liegen lassen und abwarten, was passiert. Ohne brauchbaren Vorschuss kann man als Verteidiger heute einfach nicht mehr drauflos arbeiten, die Ausfallrisiken sind zu groß geworden. Es sei denn, man stellt sich von vornherein darauf ein, ein pro-bono-Mandant zu führen. Das geht aber nur in Ausnahmefällen, schließlich haben wir ja auch unseren Kostenapparat, der jeden Monat bezahlt sein will. Die Crux ist, dass es oft nicht am bösen Willen der Mandanten liegt, dass sie in Zahlungsverzug geraten, sondern schlichtweg am leeren Geldbeutel. Und dass sie sich manchmal schämen, das zuzugeben. Was ich durchaus verstehen kann. Nur hilft das Verständnis leider auch nicht weiter. Jedenfalls freut man sich, dass es doch hin und wieder auch Mandanten gibt, denen qualifizierte Arbeit nicht nur theoretisch etwas wert ist sondern die auch tatsächlich noch bezahlen können. Und auch wollen. Und sich im Nachhinein sogar für die geleistete Arbeit bedanken. Das ist mir gestern noch passiert und hat durchaus gutgetan. So gleicht sich manches miteinander aus. Autor: RA Rainer Pohlen Kanzlei POHLEN + MEISTER
Erschienen 19. Juli 2006 auf http://www.strafblog.de.
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