Geld ohne Ende

Bedarf an einem Nebenverdienst, aber keine Lust zu arbeiten? Kein Problem! Der Anzeigenteil der Tageszeitung ist ja für vieles gut. Auch dafür, Stellenanzeigen zu finden. Natürlich könnte man sich einfach bewerben, aber dann würde es ja nur Geld geben, wenn man auch tatsächlich eingestellt wird und auch die geforderte Arbeitsleistung erbringt. Viel zu viel Aufwand. Muss ja nicht sein, schließlich hat uns der Gesetzgeber in seiner unendlichen Güte und Weisheit das AGG geschenkt. Damit kann man viel einfacher an viel mehr Geld kommen, als man jemals ehrlich erarbeiten könnte. Einzige Voraussetzungen: der potentielle Arbeitgeber darf nicht ganz auf der Höhe der Zeit sein, zumindest im Bereich der Gesetzeskenntnis.

Geld verdienen geht dann relativ einfach. Man nehme sich den Anzeigenteil und filtere jene Stellenangebote heraus, die irgendwie gegen ein Benachteiligungsverbot (§ 7 Abs. 1 AGG i.V.m. § 1 AGG) verstoßen. Meine nicht repräsentative Auswertung der Doppelseite “Stellenmarkt” einer regionalen Tageszeitung vom letzten Samstag erbrachte, dass von 80 Anzeigen zumindest 15 eindeutig einen Mitarbeiter bestimmten Geschlechts oder Alters suchen. Das ermöglicht unter Zuhilfenahme von § 15 Abs. 2 AGG 15mal Schadensersatz bis zu jeweils drei Monatsgehältern. Der Trend ist erkannt, mancherorts werden schon “Angebote” gesammelt, so z.B. von David Klein: AGG-Angebot der Woche. Offenbar hat sich die Idee aber noch nicht flächendeckend herumgesprochen, so stellte der Tagesspiegel fest, dass es kaum Klagen gebe. Vielleicht wird das ja noch, wenn die erstattungsfähigen Anwaltskosten bei erstmaligen Abmahnungen im nichtgewerblichen Bereich wie geplant auf 50 EUR begrenzt werden.

Eine Prozessflut war natürlich nicht die Intention des Gesetzgebers. Vielmehr sollten Benachteiligungen verhindert oder beseitigt werden (vgl. nur § 1 AGG). Ein an sich lobenswertes Ziel. Erfahrungsgemäß ist gut gemeint jedoch meistens das Gegenteil von gut gemacht. Ob das noble Ziel jetzt dadurch erreicht wird, dass erstmal geschlechtsneutral ausgeschrieben wird und dann im Rahmen der Einstellungsgespräche die Angehörigen des einen Geschlechts mehr überzeugen, es mithin tatsächlich zum Abbau von Benachteiligungen kommt, möchte ich bezweifeln.

Ein Arbeitgeber, der sich den Anforderungen des AGG gegenüber sieht, erwägt eben nicht zwingend die Einstellung eines Mannes, obwohl er eigentlich eine Frau wollte. Vielmehr denkt er darüber nach, gar nicht auszuschreiben oder ihm unerwünschte Bewerber anderweitig auszusortieren. Das geht soweit, dass beispielsweise Romanus Otte in der Welt am Sonntag (Ausgabe vom 20. Mai 2007, Seite 4) ein Recht auf Diskriminierung forderte. Er will als Arbeitgeber festlegen (dürfen), dass eine junge Frau seine Kinder in der Krippe betreut und erzieht. Er regt sich über den Staat auf, der ihm vorschreiben will, dass er gefälligst “Erzieherin/Erzieher” in die Stellenanzeige schreib…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Geschenkt

Erschienen 21. Mai 2007 auf http://andere-ansicht.eu/aav/.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Ein Recht auf Diskriminierung

MCNeubert lawblog | 20. Mai 2007 — …fordert heute Romanus Otte in der Welt am Sonntag. Bei der Suche nach Erzieherinnen für eine private Kinderkrippe wird er mi…

Die Gedanken der Schuldner

Red Tape | 27. Juli 2010 — Aufgrund eines Leserbeitrages ist es mal fällig, sich mit dem schon typischen Verhalten und Denken von Schuldnern auseinander z…

Muss der Arbeitgeber einem abgelehnten Bewerber Auskunft über die Gründe geben?

Dies und das ... | 2. Juni 2010 — Ziel des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) ist es, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Her…

Zur Wirtschaftlichkeit einer Klage

Stuttgart Inkasso | 3. April 2012 — Natürlich ist es schön, wenn man nach einiger Zeit ein Stück Papier in den Händen hält, auf dem steht, dass man in der einen od…

AGG bei Kleinunternehmern und Selbstständigen noch nicht angekommen

Arbeitsrecht-Blog.de | 23. Juni 2007 — Der allsamstägliche Blick in die Tagespresse offenbart unter der Rubrik „Stellenanzeigen“ eine noch immer große Kluft zwischen …

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)

Law-Blog | 26. Juli 2006 — Der Bundestag und der Bundesrat haben das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) beschlossen. Dieses tritt am Tag nach sei…

Gleichbehandlung nach dem AGG: Stellenausschreibungen müssen geschlechtsneutral formuliert werden (Mediblawg)

MediBlawg | 26. Juni 2007 — Ein Blick in die Stellenanzeigen der Tagespresse offenbart, dass Selbständige die gesetzlichen Vorgaben des Allgemeinen Gleic…

Bundesarbeitsgericht zu geschlechtsspezifischer Benachteiligung wegen Schwangerschaft bei einer Stellenbesetzung

recht verständlich | 27. April 2008 — Das Bundesarbeitsgericht hat sich in einer Entscheidung vom 24. April 2008 mit der Frage auseinandergesetzt, wann eine ge…

Das Kreuz mit den Kommunen

Stuttgart Inkasso | 13. Mai 2011 — Private Schuldner sind meistens ja schon recht resistent gegen jegliche Art von Mahnung und auch Firmenschuldner sind noch rech…

Nichteinstellung Wegen Schwangerschaft: Arbeitsgericht Stuttgart: Signifikante Statistik als Indiz für Diskriminierung wegen des Geschlechts - Urt. v. 26.4.2007, Az. 15 C…

AGGblog.de | 22. Januar 2008 — Gemäß § 3 Abs. 2 AGG liegt eine unzulässige mittelbare Benachteiligung wegen des Geschlechts vor, wenn dem Anschein nach ein ne…

Dann bin ich eben ein Diskriminierer - Freiheit, die ich meine. - Kolumnen - WELT DEBATTE

Heute bin ich politisch unkorrekt. Es geht um Diskriminierung. Andere Menschen zu benachteiligen ist nicht nur verpönt, sondern auch verboten. Dafür gibt es gute Gründe. Aber jetzt ist das Pendel zu weit ausschlagen. Darum poche ich auf ein Recht, zu diskriminieren." />


Kleinblog | David Klein » AGG-Angebot der Woche
Dann bin ich eben ein Diskriminierer - Freiheit, die ich meine. - Kolumnen - WELT DEBATTE

Heute bin ich politisch unkorrekt. Es geht um Diskriminierung. Andere Menschen zu benachteiligen ist nicht nur verpönt, sondern auch verboten. Dafür gibt es gute Gründe. Aber jetzt ist das Pendel zu weit ausschlagen. Darum poche ich auf ein Recht, zu diskriminieren." />


MCNeubert lawblog » Archiv » Ein Recht auf Diskriminierung
BMJ | Pressemitteilungen
AGG - Einzelnorm
AGG - Einzelnorm
AGG - Einzelnorm
AGG - Einzelnorm
AGG - Einzelnorm
ALLGEMEINES GLEICHBEHANDLUNGSGESETZ Was es wirklich verändert hat - Aktuelle Nachrichten von Tagesspiegel Online