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Gekündigter Mitarbeiter singt seit 25 Jahren jeden Morgen als Protest vor dem Betrieb

am 14.06.2006 von strafblog

Das nenne ich Durchhaltevermögen: Seit nunmehr 25 Jahren singt der gelernte Ingenieur Tetsuro Tanaka jeden Morgen eine halbe Stunde lang vor dem Tor des Technologiekonzerns Oki in der Universitätsstadt Hachioji nahe Tokio. Er singt aus Protest gegen seine im Jahre 1981 erfolgte Entlassung, und zwar „mit hoher Stimme, leidenschaftlich, wie ein asiatischer Bob Dylan“ – so jedenfalls ist es bei SPIEGEL-ONLINE nachzulesen. Tanaka hatte sich vor seiner Entlassung mit 1.300 gekündigten Mitarbeitern solidarisiert und er hatte sich auch geweigert, sich an von der Betriebsleitung angeordneten kollektiven morgendlichen Leibesübungen zu beteiligen. Er war gemobbt und schließlich rausgeschmissen worden und hatte am Tag nach seinem Rausschmiss mit seiner Protestaktion begonnen. Eigentlich wollte er sie auf 3 Jahre begrenzen, aber das Ganze hat eine gewisse Eigendynamik angenommen und so protestiert er heute noch. Er würde seinen Protest vielleicht beenden, wenn sich Oki irgendwann bei ihm entschuldigen und zugeben würde, die Mitarbeiter eingeschüchtert und schikaniert zu haben, aber darauf wartet er vergeblich. Also singt er weiter. Ansonsten lebt er vom Gitarrenunterricht, den er seinerzeit nach der Entlassung begann, und er hat so viele Schüler, dass er davon besser leben kann als von seiner Ingenieurstätigkeit.

Prozessiert hat er auch gegen Oki, bis zum obersten Gerichtshof, aber er hat immer verloren. Und zum Parlament hat er kandidiert, ist aber nicht gewählt worden. Dafür hält er einmal im Jahr auf der Oki-Aktionärsversammlung eine flammende Rede gegen Diskriminierung, da müssen sie ihn reden lassen, weil er einige Aktien des Konzerns besitzt. Insgesamt rund 9.000 Stunden hat er schon singend vor dem Werkstor verbracht und die Wachleute haben noch nie versucht, ihn fortzuschicken. Als seinen Sieg sieht er an, dass nach ihm kein Oki-Mitarbeiter mehr strafversetzt wurde, der Konzern will anscheinend keinen zweiten Tanaka, glaubt Tanaka.

Was das mit Strafrecht zu tun hat? Eigentlich nichts, aber man kann schon darüber staunen, dass intensive Auseinandersetzungen so ganz jenseits strafrechtlicher Gefilde ablaufen können, oder?

Autor: RA Rainer Pohlen

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