Srebrenica zehn Jahre nach dem Massaker
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Srebrenica/Berlin (Reuters) - In Bosnien-Herzegowina haben am Sonntag Zehntausende der Opfer des Massakers von Srebrenica vor 15 Jahren gedacht.
Am Jahrestag der Gräueltat wurden in der ostbosnischen Gemeinde die Überreste von 755 neu identifizierten Opfer beigesetzt. Damit konnten bislang mehr als 3700 der insgesamt rund 8000 muslimischen Jungen und Männer beerdigt werden, die in den Tagen nach dem 11. Juli 1995 von Einheiten der bosnischen Serben getötet und in Massengräbern verscharrt wurden. Das Massaker gilt als größter Massenmord in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.
Hatidza Mehmedovic verlor ihren Mann und zwei Söhne. "Ich habe nichts mehr zu verlieren", sagte die 58-jährige bei der Beisetzung ihrer Angehörigen. "Jetzt kann ich nur noch für Gerechtigkeit kämpfen." Damit wies sie darauf hin, dass der wegen des Massakers angeklagte mutmaßliche Kriegsverbrecher Ratko Mladic weiterhin flüchtig ist. Der ehemalige Militärchef der bosnischen Serben wird in Serbien vermutet. Unter Mladics Kommando waren die Soldaten in die muslimische Enklave Srebrenica einmarschiert. Auch Außenminister Guido Westerwelle forderte eine Festnahme von Mladics: "Ich appelliere an die Politiker der Region, über den schmerzhaften Erinnerungen an die Kriegsereignisse nicht die Chance zu versäumen, im Sinne der gemeinsamen europäischen Perspektive erfolgreich zusammenzuarbeiten."
Aktivisten wiesen bei der Gedenkveranstaltung nahe Srebrenica und einer weiteren in Berlin auch auf die Rolle der Vereinten Nationen bei dem Massaker hin. Die UN hatten Srebrenica zuvor zur Schutzzone erklärt und Blauhelme in der Region stationiert. Dennoch sahen die Soldaten tatenlos zu, wie Mladics Einheiten Männer abtransportierten, um sie in den umliegenden Wäldern zu erschießen. Vor dem Brandenburger Tor in Berlin entluden Aktivisten einen Berg von Schuhen, aus denen in Srebrenica eine mehr als acht Meter hohe Skulptur mit den Buchstaben "U" und "N" errichtet werden soll. Mit der sogenannten "Säule der Schande" wollen die Gesellschaft für bedrohte Völker und das Berliner Zentrum für Politische Schönheit auf das "Versagen der UN" hinweisen.
Erschienen 12. Juli 2010 bei http://www.reuters.com.
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