Gebrauchtwagenkaufvertrag und die Abgrenzung zwischen Verbraucher und Unternehmer

Die Frage, zu welchem Zweck der Kaufvertrag dienen soll, bestimmt die Abgrenzung zwischen Verbraucher- und Unternehmerhandeln bei einem Kaufvertrag. Dabei ist vor Allem eine objektive Betrachtungsweise unter Berücksichtigung der Erklärungen der Parteien und der sonstigen Umstände bei Vertragsschluss wichtig. Dagegen spielen subjektive Vorstellungen des Käufers, die für den Verkäufer nicht erkennbar sind, keine Rolle.

Tritt der Käufer bei Abschluss des Vertrages als Unternehmer auf, ist die Kilometerangabe in einem schriftlichen Gebrauchtwagenkaufvertrag – ohne zusätzliche Erklärungen des Verkäufers – in der Regel nicht als Garantie zu verstehen.

Die Beklagte betreibt in dem vom Oberlandesgericht in Karlsruhe entschiedenen Fall einen Handel mit Kraftfahrzeugen. Der Kläger ist von Beruf Handelsvertreter. Mit Kaufvertrag vom 09.05.2010 erwarb der Kläger von der Beklagten einen gebrauchten PKW Audi.

Der schriftliche Kaufvertrag wurde auf einem von der Beklagten verwendeten Formular abgeschlossen. Das Formular enthält die Überschrift: „Kaufvertrag über ein gebrauchtes Kraftfahrzeug (Händlergeschäft)“. Es gibt Rubriken für die Eintragung von Verkäufer und Käufer, wobei die Rubrik für den Käufer den vorgedruckten Zusatz „Gewerblich“ enthält. In der für den Namen des Käufers vorgesehenen Zeile ist handschriftlich „Handelsvertreter S.“ eingetragen. Das Formular enthält unmittelbar nach der Bezeichnung der Vertragspartner im oberen Teil des Formulars einen vorgedruckten Gewährleistungsausschluss. Weiterhin findet sich im Vertrag ein Feld für den „Km-Stand“, in welches handschriftlich „122.200 Km“ eingetragen wurde. Im Rechtsstreit verlangte er die Rückabwicklung dieses Vertrages.

Dem Kläger steht nach Auffassung des Oberlandesgerichts ein Anspruch auf Rückabwicklung des Kaufvertrages gemäß §§ 437 Ziff. 2, 323, 346 BGB nicht zu. Denn er war zum Rücktritt vom Kaufvertrag nicht berechtigt. Auf die Frage, ob das verkaufte Fahrzeug Mängel aufwies (überhöhter Ölverbrauch, Motorschaden und höhere Laufleistung des Fahrzeugs), kommt es nicht an. Denn die Parteien haben im Kaufvertrag vom 09.05.2010 jegliche Haftung der Beklagten für eventuelle Mängel des Fahrzeugs ausgeschlossen.

Der umfassende Gewährleistungsausschluss war wirksam. Denn der Kläger kann sich nicht darauf berufen, er sei als Verbraucher zu behandeln. Zu Recht hat das Landgericht die Voraussetzungen eines Verbrauchsgüterkaufes (vgl. §§ 474 Abs. 1, 475 Abs. 1 BGB) abgelehnt.

Für die Frage, ob eine natürliche Person als Verbraucher zu behandeln ist, kommt es darauf an, ob der Zweck, zu dem ein Rechtsgeschäft abgeschlossen wird, dem privaten Bereich einerseits oder einer gewerblichen oder selbstständigen beruflichen Tätigkeit andererseits zugerechnet werden kann (§ 13 BGB). Als Handelsvertreter übt der Kläger eine gewerbliche Tätigkeit aus. Entscheidend ist daher, ob das erworbene Fahrzeug dieser ge…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Gebrauchtwagen , Kaufvertrag , Oberlandesgericht , Verbrauchervertrag , Autohändler , Garantieerklärung
Rechtsgebiet: Zivilrecht

Erschienen 3. November 2011 auf http://www.rechtslupe.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

OLG Karlsruhe: Zur Abgrenzung zwischen Verbraucher und Unternehmer beim Gebrauchtwagenkauf

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 26. März 2012 — OLG Karlsruhe, Urteil vom 06.10.2011, Az. 9 U 8/11§ 437 Ziff. 2 BGB, § 323 BGB, § 346 BGB Das OLG Karlsruhe hat entschieden…

Unwirksamer Gewährleistungsausschluss bei privaten Verkäufen

www.rechtsklarheit.de | 10. Januar 2010 — Anders als gewerbliche Verkäufer können private Verkäufer im Kaufvertrag über gebrauchte Sachen einen Gew&aum…

Bundesgerichtshof : Kein Wettbewerbsverstoß durch Einordnung eines Gebrauchtwagenangebots in einer falschen Suchrubrik zum Kilomet…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 7. Oktober 2011 — BGH, Urteil vom 06.10.2011 I ZR 42/10; Vorinstanzen: LG Freiburg - Urteil vom 12.06.2009 - 10 O 5/09; OLG Karlsruhe - Urteil vom 0…

Keine Irreführung durch Gebrauchtwagenangebot in falscher Suchrubrik einer Internethandelsplattform

kanzlei.biz | 12. Oktober 2011 — Eigener Leitsatz: Die Einordnung eines Gebrauchtwagens mit einer Laufleistung von über 100.000 km in die Suchkategorie "bis 5.0…

BGH: Gebrauchtwagenangebot in falscher Suchrubrik einer Internethandelsplattform nicht zwingend wettbewerbswidrig

IT-Recht Kanzlei - Nachrichten | 18. Oktober 2011 — Der unter anderem für das Wettbewerbsrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat entschieden, dass das Anbieten e…

Der Gewährleistungsausschluss bei einem Fahrzeugkauf

Blog für Gewerblichen Rechtsschutz | 18. März 2011 — Immer wieder stellt sich die Frage, ob Gewährleistungsrechte ausgeschlossen werden können. Während es im Bereich der Kaufvert…

(Wettbewerbsrecht) BGH vom 7.10.2011: Bundesgerichtshof zum Gebrauchtwagenangebot in einer falschen Suchrubrik einer Internethande…

Rechtsanwalt Kai Jüdemann | 7. Oktober 2011 — Der unter anderem für das Wettbewerbsrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat entschieden, dass das Anbieten e…

BGH (VIII ZR 243/08) zum Nutzungswertersatz beim Rücktritt vom Autokaufvertrag

Recht für Verbraucher | 16. September 2009 — Nutzungswertersatz beim Rücktritt vom Autokaufvertrag Der unter anderem für das Kaufrecht zuständige VIII. Zivilsenat des Bun…

Bundesgerichtshof: Nutzungswertersatz beim Rücktritt vom Autokaufvertrag

fachanwaltsliste.de | 17. September 2009 — Urteil vom 16. September 2009 – VIII ZR 243/08 AG Hannover – Urteil vom 28. November 2007 – 549 C 14966/06 LG Hannover – Ur…

Bundesgerichtshof: Nutzungswertersatz beim Rücktritt vom Autokaufvertrag

fachanwaltsliste.de | 17. September 2009 — Urteil vom 16. September 2009 - VIII ZR 243/08 AG Hannover - Urteil vom 28. November 2007 – 549 C 14966/06 LG Hannover - Ur…