Frust der Opel-Bieter wächst - Einigung nicht in Sicht

Frankfurt/Mailand (Reuters) - Auf Seiten der Opel-Bieter wächst der Frust über die Blockadehaltung des schwer angeschlagenen Verkäufers General Motors in den Verkaufsverhandlungen.

Fiat-Chef Sergio Marchionne sagte am Freitag seine Teilnahme an dem für den Nachmittag geplanten Treffen zur Rettung des Rüsselsheimer Autobauers ab. Es sei ihm nicht gelungen, vollen Einblick in die Opel-Bücher zu bekommen. Das jüngste Spitzentreffen mit GM sowie Regierungsvertretern aus Deutschland und den USA in Berlin habe ihn einigermaßen "perplex" zurückgelassen. Bei der Sitzung in der Nacht zu Donnerstag hatte GM überraschend einen kurzfristigen Finanzbedarf von bis zu 350 Millionen Euro für die Tochter enthüllt. Auch aus dem Umfeld des zweiten Bieters, dem kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna, hieß es, die Einigungschancen nähmen minütlich ab. "Ein Ausstieg wird immer wahrscheinlicher", sagte ein Insider.

Bei dem erneuten Spitzentreffen am Nachmittag in Berlin geht es Regierungskreisen zufolge nicht darum, einen abschließenden Deal mit einem Investor zu vereinbaren. Ziel sei vielmehr, die Brückenfinanzierung für Opel mit seinen 25.000 Mitarbeitern in vier deutschen Werken sicherzustellen, sagte eine mit den Planungen vertraute Person. Ursprünglich hatte es geheißen, die Interessenten sollten dort gemeinsam mit GM eine Absichtserklärung unterbreiten. Ohne ausreichende Informationen könne Fiat aber keinen Fusionsvorschlag unterbreiten, begründete Marchionne seine Absage. Er erneuerte aber das grundsätzliche Interesse der Italiener an Opel.

Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte, die Regierung werde alles tun, um eine Insolvenz von Opel zu vermeiden. "Wir setzen alles daran, eine andere Lösung zu finden", sagte sie dem "Spiegel" einem Vorabbericht zufolge. Die Kanzlerin übte scharfe Kritik an der US-Verhandlungstaktik. "Hier gibt es sicherlich noch Steigerungsmöglichkeiten auf amerikanischer Seite", betonte Merkel.

Die Bundesregierung will im Gegenzug für die von ihr verbürgten 1,5 Milliarden Euro an Opel-Hilfen Garantien der US-Regierung, dass das Geld bei einer GM-Insolvenz nicht versickert. Die Zeit drängt: Ohne eine Einigung auf eine Brückenfinanzierung droht Opel Verhandlungskreisen zufolge innerhalb weniger Tage die Insolvenz. Ähnlich düster sieht es bei der Mutter GM aus: Eine Insolvenz bleibe wahrscheinlich, hieß es in Kreisen in Detroit. Bis Montag muss ein Rettungskonzept für den einst größten Autobauer der Welt vorliegen.

Doch den Opel-Investoren reißt offenbar allmählich der Geduldsfaden. Magna verhandelte Kreisen zufolge bis tief in die Nacht mit GM-Vertretern in Berlin über eine grundsätzliche Vereinbarung. Doch GM habe immer wieder neue Forderungen aufgetischt, hieß es aus Teilnehmerkreisen. "Es macht sich der Eindruck breit, dass GM gar nicht verkaufen will", sagte einer der Beteiligten. Am Morgen liefen die Gespräche weiter. Verhandlungsteilnehmer sprachen von einem regelrechten Poker. "Doch wenn eine Seite nicht richtig mitspielt, ist so ein Spiel nicht zu gewinnen", sagte ein Insider mit Blick auf GM.



Quelle: Reuters (29. Mai 2009)

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Erschienen 29. Mai 2009 bei http://www.reuters.com.

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