Frist zur Nachholung der Begründung einer Rechtsbeschwerde

Die Regelung in § 18 FamFG ist verfassungskonform dahin auszulegen, dass die Frist zur Nachholung der Begründung der Rechtsbeschwerde nicht zwei Wochen, sondern einen Monat beträgt.

Im hier vom Bundesgerichtshof entschiedenen Fall war die Mutter vor Bewilligung der beantragten Verfahrenskostenhilfe an der Einlegung und Begründung der Rechtsbeschwerde gehindert und hat Einlegung und Begründung sodann innerhalb von vier Wochen nach Bewilligung der Verfahrenskostenhilfe nachgehot. Der Bundesgerichtshof sah dies als rechtzeitig an:

Die Begründung der Rechtsbeschwerde ist indessen anders als deren Einlegung nicht innerhalb der in § 18 Abs. 3 Satz 2 FamFG aufgeführten Frist nachgeholt worden. Gemäß § 18 Abs. 3 Satz 2 FamFG ist die versäumte Rechtshandlung innerhalb der Antragsfrist für die Wiedereinsetzung nachzuholen, welche nach § 18 Abs. 1 FamFG zwei Wochen nach Wegfall des Hindernisses beträgt. Das Hindernis war die Verfahrenskostenbedürftigkeit der Mutter, welche durch die Bewilligung von Verfahrenskostenhilfe durch den Bundesgerichtshof entfallen ist.

Die Frist von zwei Wochen, die im Hinblick auf die Begründung der Rechtsbeschwerde nach dem Gesetzeswortlaut abgelaufen wäre, ist hingegen aus verfassungsrechtlichen Gründen auf die Rechtsmittelbegründung nicht anzuwenden. Denn anderenfalls wäre die nach Art. 3 Abs. 1 GG gebotene Gleich- behandlung bemittelter und unbemittelter Verfahrensbeteiligter nicht mehr gewährleistet. Die hier gebotene verfassungskonforme Auslegung führt zu einer Wiedereinsetzungsfrist für die Begründung der Rechtsbeschwerde von einem Monat.

Die Regelung in § 18 FamFG muss, ebenso wie die inhaltsgleiche Regelung in § 234 Abs. 1 ZPO in der bis zum 31.08.2004 geltenden Fassung, verfassungskonform ausgelegt werden. Der Gesetzgeber hat sich bei der Formulierung von § 18 FamFG an dem früheren § 22 FGG einerseits und an § 60 VwGO andererseits ausgerichtet. Er hat dabei aber übersehen, dass das frühere Gesetz über die An…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Zpo , Rechtsbeschwerde , Beschwerdebegründungsfrist

Erschienen 19. Dezember 2011 auf http://www.rechtslupe.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

OLG Köln: Frist für Beschwerde des Anschlussinhabers gegen einen Anordnungsbeschluss nach § 101 Abs. 9 UrhG - Die Frist für eine B…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 8. Juli 2011 — 1. Die Frist für eine Beschwerde des - am Ausgangsverfahren unbeteiligten - Anschlussinhabers gegen einen Anordnungsbeschluss nach…

Rechtsbeschwerde gegen die Entlassung eines Betreuers

Rechtslupe | 17. Juni 2011 — Die Entlassung des bisherigen Betreuers gemäß § 1908 b Abs. 1 BGB wird nicht von den §§ 70 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1, 271 Nr. 1 FamFG…

Doch nicht zu spät

beck-blog | 27. Oktober 2011 — Über die Tücken des § 137 II FamFG hatte ich bereits hier und da und dort berichtet. Auf einem weiteren in diesem Zusammenhan…

Verfahrenskostenhilfe und Waffengleichheit in Familienstreitsachen

Rechtslupe | 15. Juni 2011 — Die Beiordnung eines Rechtsanwalts richtet sich in Familienstreitsachen nach § 121 ZPO. Es gilt das Gebot der Waffengleichheit.…

Rechtsmittel Nach VKHBeschwerde: VKH-Beschwerde im Verfahren auf Erlass einer einstweiligen Anordnung unzulässig

beck-blog | 19. April 2010 — Die einstweilige Anordnung ist im Familienrecht ein ausgesprochen scharfes Schwert, insbesondere deshalb weil die Beschwerde

Befristete Beschwerde FamFG: Einführung in das FamFG (Teil X)

beck-blog | 11. Mai 2009 — Teil X: Die Rechtsmittel im familiengerichtlichen Verfahren Einziges Rechtsmittel ist die Beschwerde (§ 58 FamFG). Die Unte…

Und noch mal: VKH-Antrag genügt für die Frist des § 137 II FamFG

beck-blog | 25. November 2011 — Hier hatte ich berichtet, dass das OLG Celle die Einreichung eines VKH-Antrages in einer Folgesache genügen lässt, um die Frs…

Keine Wiedereinsetzung trotz fehlerhafter Rechtsmittelbelehrung bei anwaltschaftlicher Vertretung

RECHTSAUSKUNFT | 27. Oktober 2010 — BGH, Beschluss vom 23. 6. 2010 – XII ZB 82/10 (OLG Düsseldorf) Die Beteiligten streiten um das Umgangsrecht des Vaters mit de…

Erste Entscheidung zur Zweiwochenfrist des § 137 II FamFG

beck-blog | 7. September 2010 — Das späte Einbringen von Folgesachen in den Scheidungsverbund war ein beliebtes Mittel, die Scheidung zu verzögern. Dem wollte …

Rascher Richter - OLG bremst ihn aus

beck-blog | 23. September 2010 — Nach Eingang der letzten Auskunft zum Versorgungsausgleich beraumte das FamG mit Verfügung vom 22.04.2010 Termin zur mündlich…