Freigelassene "BamS"-Reporter kehren aus dem Iran zurück

Berlin (Reuters) - Nach mehr als vier Monaten in iranischer Haft sind zwei Journalisten der "Bild am Sonntag" nach Deutschland zurückgekehrt.

Die beiden Männer kamen am Sonntagmorgen mit einem Flugzeug aus Teheran zusammen mit Außenminister Guido Westerwelle in Berlin an. Zuvor hatte sich überraschend ihre Freilassung abgezeichnet. Westerwelle flog daher am Samstag in die iranische Hauptstadt, um die beiden vor Ort in Empfang zu nehmen. Die Journalisten waren im Oktober im Iran wegen Spionagevorwürfen festgenommen worden. Sie wollten Angehörige einer wegen Ehebruchs zum Tode verurteilten Frau interviewen, hatten aber keine Journalistenvisa. Ursprünglich sollten sie wegen Spionage vor Gericht gestellt werden. Im Iran kann deswegen die Todesstrafe verhängt werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Westerwelle zeigten sich erleichtert über die erfolgreiche Befreiungsaktion. "Ich danke allen, die an der Lösung dieses sehr komplizierten Falles mitgewirkt haben", sagte der Außenminister bei einem eilig einberufenen Auftritt vor der Presse in Berlin. Ausdrücklich dankte der Minister zudem seinem iranischen Amtskollegen Ali Akbar Salehi für "sein hilfreiches Engagement in dieser Angelegenheit". Merkel sagte der "Bams", sie sei sehr froh über die Rückkehr der beiden Journalisten als freie Menschen. "Ich hoffe, sie erholen sich bald - körperlich wie seelisch - und können die schlimmen Erlebnisse der letzten Monate überwinden", sagte die Kanzlerin.

Der "BamS"-Chefredakteur Walter Mayer sprach von einem "der bewegendsten Momente meines Lebens, als ich heute morgen um 5.00 Uhr meine Kollegen Marcus Hellwig und Jens Koch nach der Landung auf dem Flughafen Tegel in die Arme schließen konnte." Die beiden Männer hätten darum gebeten, dass sie nach dieser schweren Zeit zur Ruhe kommen möchten. Es werde deswegen in der nächsten Zeit keine öffentlichen Auftritte der beiden Reporter geben, erklärte Mayer. "Sie waren überglücklich und zugleich sehr erschöpft."

KREISE: IRAN STELLTE BEDINGUNGEN - "VERITABLER KRIMI"

Westerwelle äußerte sich vor laufenden Kameras nicht zum Zustand der beiden freigelassenen Journalisten. "Ich wünsche den beiden, dass sie das, was sie erlebt haben, recht schnell verarbeiten und rasch zu einem normalen Leben zurückfinden können", sagte er. Aus dem Auswärtigen Amt verlautete indes, die Männer hätten Momente und Umstände erlebt, die man sich nur schwer ausmalen könne. Eine Person, die namentlich nicht genannt werden wollte, sagte: "Die große seelische Not schlägt sich auch körperlich nieder." Den Zustand der Männer als "mitgenommen" zu bezeichnen, sei nur eine Möglichkeit.

Die Person sagte, der letzte Tag der monatelangen Befreiungsbemühungen, der Samstag, sei "ein veritabler Krimi" gewesen. Es sei bis zuletzt nicht sicher gewesen, ob die Aktion gelinge. Die iranischen Unterhändler hätten zwei Bedingungen für die Freilassung gestellt: eine Entschuldigung des Axel-Springer-Verlags sowie eine Geldzahlung. Nach iranischen Medienberichten wurden die gegen die beiden Männer verhängten Haftstrafen in Geldbußen von je etwa 36.000 Euro umgewandelt. Ein Sprecher des Springer-Verlages sagte Reuters, das Unternehmen werde die Strafzahlungen übernehmen.

WESTERWELLE PARLIERT MIT AHMADINEDSCHAD

Der Kurz-Besuch Westerwelles im Iran war der erste eines deutschen Außenministers seit acht Jahren. Westerwelle traf am Samstagabend auch mit Präsident Mahmud Ahmadinedschad zusammen. Dabei sei unter anderem über das Thema Menschenrechte gesprochen worden, sagte Westerwelle. Aus Regierungskreisen verlautete, das Gespräch habe mit rund einer Stunde länger gedauert als erwartet. Der Atomstreit sei nicht angesprochen worden.



Quelle: Reuters (20. Februar 2011)

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Themen: Berlin , Germany , Haft , Western Europe , Europe , Kollegen , Iran , Teheran , Flugzeug , Angela Merkel , Guido Westerwelle , Middle East , Crime , Media And Publishing , German Language - General , Government / Politics , Judicial Process / Court Cases / Court Decisions , Asia/pacific , Diplomacy / Foreign Policy , Jens Koch

Erschienen 20. Februar 2011 bei http://www.reuters.com.

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