Gutes Examen, gutes Geld
Handakte WebLAWg | 21. Februar 2009 — Den besten Jura-Absolventen steht die Berufswelt offen. Wer kein Prädikatsexamen vorweisen kann, muss dagegen sehen, wo er blei…
Es vergeht wohl kein Monat an dem nicht irgendein Karriereteil eines Qualitätsblatts einer Zeitung mit den Jobchancen von Juristen aufmacht bzw. zur Bedeutung des Prädikatsexamens Stellung nimmt. Auch die Information über 6-stellige Einstiegsgehälter in der Großkanzlei darf nicht fehlen. Am heutigen Tag war Springers Hamburger Abendblatt gleich zweimal am Zuge: Hier und hier! Zum ersten Artikel: Der Artikel schafft es schon im Teaser das volle Programm feilzubieten: Jura-Absolventen können überall landen: in Rechtsabteilungen, Kanzleien, im Taxi. Mit "vollbefriedigend" steht Einsteigern alles offen. Aber mit diesen Erkenntnissen nicht genug, es folgt noch ein ganzer Artikel für den gleich zwei Autoren verantwortlich zeichnen. Gut, der Artikel besteht effektiv aus der Zusammenstellung von Interviews mit dem Hauptgeschäftsführer der RAK, einer Dame einer "Vergütungsberatung", dem Geschäftsführer des Berliner Anwaltsvereins, einer Anwältin einer Berliner WP-Gesellschaft und eines Managing Partners einer Anwaltskanzlei. Insoweit entlasten sich die Autoren wohl einfach mit der Collage von Wortfetzen ohne tiefere Bewertung. Die ersten beiden Interviewpartner dürfen dann auch berichten "Wer in beiden Staatsexamina ein 'vollbefriedigend' oder besser erreicht, muss sich um seinen Berufseinstieg keine Sorgen machen" (...) "Doch das schaffen nur etwa zehn Prozent." "Absolventen mit Prädikatsexamen können sich in der Regel aussuchen, ob sie bei einer großen Anwaltskanzlei, in der Industrie oder doch lieber beim Staat arbeiten möchten" Ach nee, klar! Das Klischee des Taxifahrers muss aber sogar vom RAK Geschäftsführer bemüht werden. "Es gibt auch den sprichwörtlichen Taxifahrer unter den Juristen." Wobei nicht ganz klar ist, was nun der "sprichwörtliche Taxifahrer" sein soll. Vielleicht ist er ja Blogleser und spielt auf diesen Beitrag an? Natürlich dürfen in einem solchen Artikel keine Zahlen fehlen: Große Kanzleien und solche in lukrativen Nischen zahlen durchaus 85 000 Euro im Jahr. In kleinen Kanzleien ohne Spezialgebiet sind eher zwischen 20 000 und 30 000 Euro die Regel. bzw. im Artikel zwei Absolventen mit Prädikat, einem zusätzlichen Titel und perfekten Englischkenntnissen könnten dort sogar die Schallmauer von 100 000 Euro durchbrechen. Nunja, 85.000 ist schon etwas her, 100.000 aber auch seitdem schon 125.000 geboten werden. Gott sei Dank kommt dann die Klarstellung: Gemeinsam ist Kanzleien aber meist eins: viel Arbeit. Und hier sollte nun einmal rein rechnerisch klargestellt werden: 100.000 EUR p.a. Brutto = 8.333 EUR mtl. Brutto = 4.675 EUR mtl. Netto (bei Lohnsteuerklasse I ohne Kinder und ohne Kirchensteuer) Nun setzten wir dies mal mit der Arbeitsbelastung ins Verhältnis: Gemunkelt wird ja viel (Arbeit bis Nachts um 2 Uhr), aber die Regel wird wohl Wochentags 9-22 Uhr und ggf. 4-6h am Wochenende sein. Somit nach Abzug von Pausen ca. 65h Wochenarbeitszeit. Und jetzt wird es bitter liebe Leser; ich wackle am Großkanzleimytho…
» Vollständiger ArtikelErschienen 21. Januar 2012 auf http://www.jurabilis.de.
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Jura-Absolventen können überall landen: in Rechtsabteilungen, Kanzleien, im Taxi. Mit vollbefriedigend steht Einsteigern alles offen.