Massenrückruf bei Kreditkarten aus Furcht vor Datenklau
Reuters | 18. November 2009 — Frankfurt (Reuters) - Sämtliche deutsche Banken ziehen wegen eines mutmaßlichen Datenklaus im großen Stil die Kreditkarten ihre…
Frankfurt (Reuters) - Angesichts der größten Kreditkarten-Tauschaktion in Deutschland werden Rufe nach höheren Sicherheitsstandards laut.
"Dieser Vorfall wird dazu führen müssen, dass Banken die Sicherheit bei der Bezahlung mit Kreditkarten noch weiter erhöhen", sagte Dominik Georgi, Experte der Frankfurt School of Finance, am Mittwoch Reuters. Verbraucherschützer forderten von den zuständigen Behörden eine schnelle Aufklärung der Datenpanne, die zum Umtausch von mehreren Hunderttausend Kreditkarten geführt hat. Es müsse sichergestellt werden, dass Abrechnungsserver nicht geknackt werden können. Zudem müssten Karten-Dienstleister ihr Personal sorgfältig aussuchen und dieses strenger kontrollieren, betonte Manfred Westphal von der Verbraucherschutzzentrale.
Sämtliche deutsche Banken ziehen wegen eines mutmaßlichen Datendiebstahls bei einem spanischen Zahlungsabwickler die Kreditkarten der Kunden ein, die in den vergangenen Monaten in dem Urlaubsland waren. Ein Sprecher des Zentralen Kreditausschusses (ZKA) - der Dachorganisation der Banken - sprach von einer reinen Vorsichtsmaßnahme. Visa und MasterCard hatten Geldhäuser schon vor mehreren Wochen gewarnt und zu einem Karten-Umtausch geraten.
Deutschlandweit sind rund 25 Millionen Kreditkarten im Umlauf. Die Betrugsfälle hatten in jüngster Zeit deutlich zugenommen. Insbesondere beim Bezahlen über das Internet ist die Kriminalitätsrate sehr hoch. Laut Bundeskriminalamt entsteht in Deutschland dadurch in diesem Jahr ein Schaden von rund elf Millionen Euro. Experte Georgi warnte jedoch davor, nun in Panik zu verfallen und Kreditkarten nicht mehr zu benutzen. "Kreditkarten sind grundsätzlich ein sicheres Zahlungsmittel, wenn man verschiedene Voraussetzungen berücksichtigt auf Verbraucherseite und auf Bankseite", betonte er. Der ZKA-Sprecher wies darauf hin, dass die Kunden nicht bei jedem Online-Shop ihre Kreditkarten-Details angeben sollten.
"ABRECHNUNGEN GENAU PRÜFEN"
Bei einem Missbrauch der Kreditkarten entsteht den Kunden laut ZKA kein Schaden, da diese ein Widerrufsrecht bei allen Abbuchungen haben. "Alle Kunden sollten daher ihre Abrechnungen genau prüfen", riet der Bankensprecher. Bislang seien aber noch keine größeren Schadensmeldungen bekannt. Es gebe auch keine Anzeichen für eine Ausweitung des möglichen Datenmissbrauchs auf weitere Firmen. Bis alle Kunden ihre neuen Karten erhalten hätten, gelte jedoch eine erhöhte Sicherheitsstufe. Der Umtausch einer Karte kostet eine Bank nach ZKA-Angaben etwa fünf bis zehn Euro. Damit dürfte die Maßnahme die Institute insgesamt einen einstelligen Millionenbetrag kosten - wenig im Vergleich zu den drohenden Kosten eines Vertrauensverlusts der Kunden bei einem massenhaften Kartenmissbrauch.
Allein die Volks- und Raiffeisenbanken zogen nach Angaben ihres Verbands BVR rund 60.000 Karten aus dem Verkehr. Bei den Sparkassen, die ebenfalls etwa ein Drittel des deutschen Privatkundenmarktes kontrollieren, waren es nach Informationen des Bayerischen Rundfunks 190.000. Der Dachverband der Sparkassen DSGV konnte keine Zahl nennen. Bei der Commerzbank und der Deutschen Bank hieß es, mehr Karten als üblich seien ausgewechselt worden. Die Postbank verzeichnete bei einzelnen Kunden nach Angaben eines Sprechers unrechtmäßige Abbuchungen. Die HypoVereinsbank will in den nächsten Wochen weitere etwa 3000 Karten tauschen.
Die Landesbank Berlin, die mit knapp zwei Millionen größter Kreditkartenemittent in Deutschland ist, sprach hingegen nur von "absoluten Einzelfällen". Die Karstadt Quelle Bank hatte bereits im Oktober Tausende Kreditkarten ihrer Kunden ausgetauscht. Die Lufthansa zog einige Tausend Miles&More-Karten mit Bezahlfunktion ein, und auch Kunden von Barclays sind von der Aktion betroffen.
Erschienen 18. November 2009 bei http://www.reuters.com.
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