FOKUS1-Schneiderhan- Guttenberg ausreichend zu Kundus informiert

Berlin (Reuters) - Der entlassene Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, weist Vorwürfe zurück, er habe Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg Berichte über den Kundus-Luftangriff vorenthalten.

Sowohl der CSU-Politiker als auch sein Vorgänger Franz Josef Jung seien grundsätzlich ausreichend informiert worden, sagte Schneiderhan am Donnerstag vor dem Kundus-Untersuchungsauschuss. Für die oberste Führung müssten Informationen stets verdichtet werden. Die Frage sei, ob die Minister immer ausreichend beraten wurden. "Das beantworte ich eindeutig mit ja", sagte Schneiderhan.

Besonders die "ehrabschneidende und unwahre Berichterstattung" habe ihn verletzt, wonach er die Existenz von Berichten über den von einem deutschen Offizier befohlenen Luftangriff mit vielen zivilen Toten geleugnet haben soll, sagte Schneiderhan. Er habe deswegen Guttenberg im Dezember per Fax um eine Richtigstellung gebeten. Erst mit Interview-Äußerungen Guttenbergs aus der vergangenen Woche seien diese Vorwürfe teilweise ausgeräumt worden. Der CSU-Politiker hatte Reuters erklärt, er unterstelle weder Schneiderhan noch dem ebenfalls entlassenen Staatssekretär Peter Wichert einen Vorsatz bei Informationspannen.

Guttenberg hatte die Bombardierung zweier von Taliban gekaperten Tanklastern im vergangenen September ursprünglich als angemessen bewertet, später aber seine Einschätzung geändert. Dies begründete der CSU-Politiker damit, dass ihm Berichte vorenthalten worden seien. Dafür verantwortlich seien Schneiderhan und Wichert.

Eine zentrale Rolle bei Guttenbergs Vorwürfen spielt ein Bericht deutscher Feldjäger über den Angriff. Auf ihn spielte Guttenberg offenkundig an, als er im Bundestag die Entlassung der beiden Männer unter anderem damit begründete, ihm seien Informationen vorenthalten worden. Schneiderhan erklärte nun in seiner Befragung, er habe Guttenbergs Vorgänger Jung über den Bericht informiert, mit dem er wegen seiner spekulativen Tendenzen sehr unzufrieden gewesen sei. In Abstimmung mit Jung sei der Bericht zurückgegeben worden. Von unterschlagen könne keine Rede sein.

Schneiderhan betonte, er habe sowohl Guttenberg als auch dessen Vorgänger gewarnt, vorschnell eine Bewertung des Luftangriffes abzugeben. "Ich rate Ihnen zu Vorsicht und Zurückhaltung", habe er Guttenberg gesagt. Nicht alles sei so einfach, wie es zunächst erscheine. Jung war nach Kritik an seinen Aussagen zu dem Luftangriff zurückgetreten. Der CDU-Politiker hatte zunächst zivile Opfer in Frage gestellt.

Am Donnerstag sollte auch noch Wichert befragt werden. Der Ausschuss soll klären, ob Informationen aus dem Verteidigungsministerium zurückgehalten wurden.



Quelle: Reuters (18. März 2010)

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Themen: Berlin , Germany , Bundestag , Western Europe , Europe , Diplomacy; International Relations , German General News , Domestic Politics , Csu , Taliban , Afghanistan , Politiker , Asia , Eindeutig , Franz Josef Jung , Karl Theodor ZU Guttenberg , Defence

Erschienen 18. März 2010 bei http://www.reuters.com.

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