Fluch des Urheberrechts: Deutsche Stimme von Jack Sparrow ist geschützt

Wie in einem Artikel der Onlineausgabe der Süddeutschen Zeitung berichtet wird, hat das Kammergericht (KG) Berlin mit Urteil v. 29.06.2011, Az. 24 U 2/10 einen Rechtsstreit zwischen dem Synchronsprecher Marcus Off und Walt Disney entschieden.

Im Kern stritten sich die Parteien darüber, ob der Synchronsprecher/Synchronschauspieler einen Anspruch auf Nachvergütung für seine Tätigkeit hat. Der Kläger gab, im Kino-Kassenschlager Fluch der Karibik Teile I bis III, der Figur des Piraten Jack Sparrow die deutsche Stimme. Nach den finanziellen Erfolgen der ersten drei Filme wollte Off dann an den Einnahmen beteiligt werden.

Dieser Anspruch wäre nach §§ 32, 32a UrhG – auf den hier besprochenen Fall übertragen – dann gegeben, wenn zwischen der vereinbarten Vergütung für die Leistung als Synchronsprecher und den Erträgen aus der Nutzung der Synchronisation ein auffälliges Missverhältnis besteht. Aufgrund der immensen Erfolge der Filmtrilogie, hielt der Synchronsprecher Marcus Off die erhaltene und zuvor vereinbarte Vergütung offensichtlich nicht für angemessen.

Im Gegensatz zur Artikelüberschrift der Süddeutschen – „Eigener Schöpferischer Akt?“ und der im Artikel aufgeworfenen Frage: „Doch sind Synchronschauspieler überhaupt Urheber?“ – die suggeriert, dass die Entscheidung des Rechtsstreits davon abhinge, ob dem Synchronsprecher Urheberrechte zustehen, sind wir der Auffassung, dass zumindest diese Frage – jedenfalls hier – schnell beantwortet werden kann. Denn, nach der hier vertretenen Auffassung, genießt auch die Darbietung eines Synchronschauspielers Leistungsschutz nach dem Urhebergesetz. Der Synchronsprecher wird als ausübender Künstler nach § 73 UrhG geschützt. Danach ist ausübender Künstler, wer ein Werk oder eine Ausdrucksform der Volkskunst aufführt, singt, spielt oder auf eine andere Weise darbietet oder an einer solchen Darbietung künstlerisch mitwirkt.

Ein Synchronsprecher oder Synchronschauspieler wirkt durch seine stimmliche Interpretation und Gestaltung künstlerisch an einem gesamten (Film-)Werk mit.

Zu diesem Ergebnis sind auch die Richter des Kammergerichts Berlin gekommen, die sich insoweit der Meinung der Richter des Bundesgerichtshofs in einer älteren Entscheidung angeschlossen haben. Im Urteil des KG Berlin heißt es dazu:

„Der Kläger ist als Synchronschauspieler ausübender Künstler im Sinne des § 73 UrhG (vgl. BGH GRUR 1984, 119/120 – Synchronisationssprecher; Fromm/ Nordemann/ Schaefer, UrhR, 10.Aufl., § 73 Rdn.33; U.Reber/Schwarz in: Handbuch des Film-, Fernseh- und Videorechts, 4.Aufl., Kap.100 Rdn.6).“

Auch durch seine Leistung als Synchronsprecher für die deutsche Stimme des Jack Sparrow, gespielt von Johny Depp, habe der Kläger Leistungsschutzrechte als ausübender Künstler erworben:

„Seine Leistung beschränkte sich nicht auf das bloße Ablesen eines Textes. Vielmehr musste er die einzelnen Filmsz…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Urheber , Piraten , KG Berlin , Walt Disney , Disney , Synchronsprecher , Priates OF The Carribean
Rechtsgebiet: Urheberrecht

Erschienen 17. August 2011 auf http://www.lbr-law.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Angemessenheit von Pauschalvergütungen (Buy-out-Honorare) im Filmbereich

medienundmarken.de | 16. September 2011 — Die Frage der Angemessenheit von sogenannten nicht erfolgsabhängigen Pauschalvergütungen (Buy-out-Honorare) war bereits des Öft…

Zum “Fairnessausgleich” im Urheberrecht am Beispiel von Jack Sparrow

Advisign - Webdesign trifft Recht | 18. August 2011 — Die Vergütung für kreative Leistungen ist stets ein Kernthema bei Vertragsverhandlungen zwischen Urheber und dem Verwerter de…

BGH: Zum eigenständigen Anspruch auf angemessene Beteiligung des Miturhebers nach § 32a UrhG - Das Boot

Beckmann und Norda Rechtsanwälte Bielefeld | 13. März 2012 — BGH Urteil vom 22.09.2011 I ZR 127/10 Das Boot UrhG § 8 Abs. 2 Satz 1 Halbsatz 1 und Satz 3 Halbsatz 2, § 32a Abs. 1 und 2 Satz 1,…

Urheberverg??tung f??r Drucker, Scanner und Multifunktionsger??te

Rechtslupe | 11. Dezember 2008 — Zwischen dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) und den Verwertungsgesellschaften…

Werben für Pippi Langstrumpf-Kostüme – 50.000,00 EUR Schadenersatz

Lampmann, Haberkamm & Rosenbaum | 13. September 2011 — Das Landgericht Köln hat mit Urteil v. 10.08.2011, Az. 28 O 117/11 entschieden, dass es urheberrechtlich unzulässig ist, Kost…

OLG München: Keine Nachvergütung für Grafikerin des Tatort-Vorspanns

IT-Blawg | 25. April 2011 — Das OLG München hat am 10.02.2011 (Az. 29 U 2749/10) entschieden, dass der Miturheberin des Tatort-Vorspanns kein Nachvergütung…

BGH: Staatsgeschenk - Zur Verletzung des urheberrechtlichen Verbreitungsrechts aus § 17 Abs. 1 UrhG und des Rechts des Urhebers au…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 8. Juli 2007 — 1. Ein Eingriff in das urheberrechtliche Verbreitungsrecht aus § 17 Abs. 1 UrhG ist nicht gegeben, wenn bei einer öffentlichen Ver…

Bootlegverkauf auf eBay – keine Kappung der Abmahnkosten auf 100 €

Lampmann, Haberkamm & Rosenbaum | 18. August 2011 — Wie die Kollegen von kanzlei.biz – Anwaltskanzlei Hild & Kollegen berichten, findet § 97 a UrhG keine Anwendung in Fäl…

KG Berlin: Ein „Foto in einem Foto“ stellt eine Urheberrechtsverletzung dar

IT-Recht Kanzlei - Nachrichten | 15. September 2010 — Das KG Berlin hat in seinem Urteil vom 15.06.2010 (Az. 5 U 35/08) entschieden, dass die Abbildung eines kleinen Fotos in einem …

Synchronsprecher werden nur einmal bezahlt

kanzlei.biz | 18. August 2011 — Eigener Leitsatz: Ein Synchronsprecher hat keinen Anspruch auf eine Nachvergütung gemäß § 32a Abs. 2, Abs. 1 UrhG, wenn seine Leis…

Streit um Film-Synchronisation - Eigener schöpferischer Akt?

Auf den ersten Blick ist das ein fast absurder Streit zwischen einem Einzelkämpfer und einem Hollywood-Konzern. Doch er könnte von Bedeutung werden für die gesa...