Firmenbestattung bei SPIEGEL ONLINE

Der Spiegel berichtet aktuell über den “Jäger der Firmenbestatter”:

Diese Sache, das ist einer der großen Wirtschaftskrimis der Bundesrepublik und das umfangreichste Strafverfahren des Landes Thüringen. Es geht um viele Millionen Euro Schaden, um Tausende gelackmeierter Gläubiger und Dutzende Profiteure. Und um ein Delikt, das in Zeiten von Wirtschaftskrisen und zunehmender Pleiten deutlich Konjunktur hat: die illegale Liquidierung zahlungsunfähiger Unternehmen. Dafür gibt es inzwischen einen eigenen Begriff: “Firmenbestattung”.

Diese Sache, das ist aber auch die Geschichte eines engagierten Staatsanwalts, der sich die unerbittliche Verfolgung einer Betrügerbande zur Lebensaufgabe machte, dem sein Jagdeifer allerdings kein berufliches Glück brachte. … Ermittler Erdt, in Gera zuständig für Wirtschaftskriminalität, wird stutzig. Er vergleicht den Namen des Firmenkäufers mit Handelsregisterlisten, die er sich aus dem Internet zieht - und siehe da: Der neue Gesellschafter und Geschäftsführer der maroden Baufirma hat gleich 50 Pleitefirmen aufgekauft, quer über die Bundesrepublik verteilt. In Villingen und Ravensburg, in Stadthagen und Darmstadt, in Hildesheim und Dortmund. Überall dort laufen Verfahren wegen Insolvenzverschleppung und Bankrott, trauern Gläubiger ihrem Geld nach.

Weil einige Fälle auch im Raum Gera spielen, fordert Erdt bei Kollegen anderer Staatsanwaltschaften die Ermittlungsakten an - sie werden gern geschickt. Erstens, weil jeder Einzelfall für sich allein eher geringfügig erscheint. Zweitens, weil komplizierte Wirtschaftsverfahren viel Wissen und noch mehr Zeit erfordern, meist schwer beweisbar sind und oft genug mit Freispruch oder Einstellung enden. Drittens, weil mit der Thematik überforderte Ermittler froh sind, den Kram loszuwerden. … Die Vorgehensweise der Bande ist immer gleich. Von Marbella aus schalten Elders, der sich als Steuerberater ausgibt, und seine Komplizen reihenweise Anzeigen in großen deutschen Tageszeitungen und im Internet. “Statt Konkurs: GmbH-Verkauf” locken knallige Überschriften, oder noch unmissverständlicher: “Bringen Sie Ihre Schäfchen ins Trockene” und “Schulden ade”. Im Text wird den Interessenten nahegelegt, sich ihrer Firma “mit einer einfachen Sitzverlegung nach Spanien zu entledigen, damit niemand an den Rest Ihres Vermögens kommt”.

Wer sich meldet, und das sind Hunderte klammer Firmenchefs, die Angst vor der Zwangsvollstreckung, vor der Einsetzung eines Insolvenzverwalters oder vor ihren Gläubigern haben, bekommt Besuch von sogenannten Repräsentanten - alerten Vermittlern, die kurz mal in die Bücher gucken und dann um die Konditionen feilschen. Pro Firmenübernahme kassiert die Connection zwischen 5000 und 15.000 Euro - Geld, das die Verkäufer schwarz zu ihren maroden Betrieben dazulegen. “Weg mit Schaden”, so heißt das Motto. Offiziell wi…

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Themen: Spiegel Online , Der Spiegel

Erschienen 4. Januar 2009 auf http://www.ra-haensch.de/php/wordpress.

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