Finanzamt überweist zu viel – und kriegt nichts zurück
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Am Montag hatte ich einen freundlichen Mitarbeiter des Finanzamts zwecks Umsatzsteuersonderprüfung zu Besuch. Als mir der Besuch vor einigen Wochen angekündigt wurde, kam mir zuerst der Gedanke in den Sinn, dass ich beim Finanzamt wohl durch unplausible Angaben aufgefallen sein muss und nun durch eine Nachzahlung in Millionenhöhe meine berufliche Existenz auf dem Spiel steht. Je länger ich darüber nachdachte, desto unwahrscheinlicher erschien mir das. Und für Nachzahlungen im genannten Umfang müsste man erstmal entsprechende Einnahmen gehabt haben. Und, so traurig das auch klingt: Die hatte ich nicht. Folglich machte ich mir aber Gedanken, dass auch eine ungeplante Nachzahlung im vier- bis fünfstelligen Bereich äußerst unangenehme Nachwirkungen mit sich bringen könnte. Aber was interessiert das Finanzamt ein Einzelschicksal? Nada.
Nachdem ich mich nun kurz aber intensiv aufgeregt hatte, fiel mir als erstes auf, dass hier das Jahr 2005 geprüft werden sollte. Das Jahr in dem von uneingeschränkter Steuerehrlichkeit meinerseits schon deshalb ausgegangen werden musste, da ich die Umsatzsteuererklärung noch gar nicht abgegeben hatte. Man ist halt nicht mehr so schnell, wenn einem erstmal Teile der Buchhaltung mit einer zerstörten Festplatte in die ewigen Jagdgründe eingegangen sind. Wer sichert schon ausgerechnet die Buchhaltung doppelt und dreifach? Man hat ja auch sonst genug Arbeit. Die Festplatte bewahre ich übrigens als Mahnmal auf.
Unmittelbar nach der Ankündigung der Prüfung erinnerte mich das Finanzamt daran, meine Steuererklärungen für 2005 abzugeben. Nichts leichter als das. Buchungen rekonstruieren, Umsatzsteuererklärung, Einkommensteuererkärung einschließlich Anlagen A-Z und EÜR, Belege sortieren, Kassenzettel eingekleben - und das alles in einem Tempo, bei dem Flash Gordon schwindelig geworden wäre.
Eigens für den Prüfer wurden sogar noch benutzerfreundliche Papierausdrucke der gesamten Buchhaltung angefertigt, die auch mein zwischenzeitlich konsultierter Anwalt für Steuersachen recht gelungen fand.
Was mir leider erst am Vorabend der Prüfung, beim vier- oder fünfhundertsten Versuch, noch irgendwo einen Fehler zu finden, auffiel: Ich hatte zwei Quittungen für Briefmarken im Gesamtwert von ungefähr 3 Euro zu viel. Und die waren mit Prittstift so fest im Gesamtwerk verankert, das ich sie unmöglich beiseite schaffen konnte, ohne dass es auffiel. Was nun? Ich ging volles Risiko und beließ die Quittungen an Ort und Stelle.
Der Prüfer hatte sich für keine bestimmte Uhrzeit angekündigt und erschien am Montag morgen. Er hatte vom Notebook bis zum Drucker ein komplettes Büro dabei und hatte sich sogar eine eigene Mehrfachsteckdose mitgebracht, obwohl ich ihm natürlich auch eine zur Verfügung gestellt hätte. Er hatte sogar sein eigenes Frühstück dabei. Den Kaffee habe ich gestellt.
Da die Leute vom Finanzamt ja zahlenaffine Typen sind, hat sich der Beamte auch nicht zu wenig Arbeit gemacht. Er tippte meine Zahlen ein, zählte zusammen, tippe mehr Zahlen ein, rechnete weiter, vorwärts, rückwärts, hin und her. Und bis auf einen einzigen Punkt fiel alles zur Zufriedenheit aus. Nein, nicht die 3 Euro, die sich versehentlich nicht negativ auf den Gewinn ausgewirkt hatten. Viel schlimmer. Ich habe mir im Januar 2005 kein Gehalt ausgezahlt. Was soll ich dazu sagen? Ich hatte noch Geld aus Dezember 2004 übrig.
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